Day of the Podcast 2018: Cinematic Smash Bros. – 2018×11

Nach etwas längerer Pause war ich mal wieder bei Henning und den Cinematic Smash Bros. zu Gast. Es geht um Zahnärzte, faire Filmkritik, Star Wars, Deadpool und Unsterblichkeit. Dieses Mal bin ich auf dem Foto leider ohne Bier, dafür aber mit Schnurrbart zu sehen. Viel Spaß beim Hören!

Solo: A Star Wars Story: Heiß oder Scheiß?

Von links nach rechts: Henning (CSB), Henry Cavill, Christian (Second Unit), Matthias (Das Film Feuilleton)
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Jurassic World: Fallen Kingdom und die Logik

© Universal Pictures

Dieser Text entstand im Rahmen der MB-Kommentarspalte, einem neuen Format von Moviebreak (wo er auch erschienen ist). Irgendwann schreibe ich hoffentlich mal den langen Text zu dem Thema, der mir schon lange auf dem Magen liegt. Bis dahin muss dieser kleine Abstecher nach Jurassic World reichen.

Im dritten Akt von J.A. Bayonas Jurassic World: Fallen Kingdom ereignet sich ein Moment, den der finale Trailer bereits vorwegnimmt: Ein für den Film neu herangezüchteter Dino-Antagonist, der mordlustige „Indoraptor“, bricht herein in die Idylle eines Kinderzimmers. Im Bett liegt, nur der Kopf lugt unter der Decke hervor, ein vor Angst zitterndes kleines Mädchen. Der Indoraptor bahnt sich seinen Weg durch das Zimmer, dabei klopft eine seiner garstigen Hinterklauen unaufhörlich auf den Boden, scheinbar in ungeduldiger Erwartung darauf, das Kind in Stücke zu reißen. Gipfeln tut dies in einer großartigen Einstellung, in der er seine Klaue über dem Bett ausstreckt – ehe sein Vorhaben von einem jäh ins Zimmer hereinstürmenden Chris Pratt vereitelt wird (ebenfalls ein Moment, den der Trailer vorwegnimmt).

Es war unter anderem diese Szene, die den furchteinflößenden Indoraptor in solch eine Komfortzone eindringen und ihn einer späteren Einstellung sogar auf dem Boden liegendes Spielzeug zerstampfen lässt, die meine Vorfreude auf Fallen Kingdom schürte. Unter dem Dirigat von Regisseur J.A. Bayona (A Monster Calls) und Kameramann Oscar Faura (The Imitation Game) erlangen die Dinosaurier des Jurassic-Franchise wieder etwas von ihrem Mythos zurück, von ihrer poetischen und außerweltlichen Wirkung. Immer wieder findet der Film neue Wege, sie entrückt in Szene zu setzen – als überlebensgroße Wandschatten, todbringende Spiegelungen oder schemenhafte Umrisse in Blitzgewitter, Mondlicht oder Rauchschwaden. Finsterer und furchterregender, aber auch erhabener und tragischer, haben die Dinos noch nie gewirkt – zumindest nicht seit Steven Spielberg seiner Schöpfung als Regisseur den Rücken kehrte.

Da gibt es nur ein kleines Problem. Was der Trailer ausspart, sind die Umstände, unter denen dieser Moment des Kinderzimmerhorrors überhaupt erst zustande kommt. Die Jagd des Indoraptors nach Chris Pratt, Bryce Dallas Howard und dem kleinen Mädchen ist zu diesem Zeitpunkt schon in vollem Gange und letztere landet nach der strikten Anweisung, wegzurennen und sich zu verstecken, in jenem Zimmer. Anstatt auf den äußeren Fenstersims zu klettern (eine Fähigkeit, die sie zu diesem Zeitpunkt bereits unter Beweis gestellt hat), sich im Schrank zu verstecken oder – alas! – zumindest unter das Bett zu kriechen, landet sie aus unerfindlichen Gründen im Bett, noch nicht einmal komplett unter der Decke. Dass das beim Versteckspiel mit Opa Lockwood (James Cromwell) funktioniert, mag ja sein – aber auf der Flucht vor einem blutrünstigen Dino? Wie doof kann man denn eigentlich sein?

Das ist eine Frage, die man sich während Jurassic World: Fallen Kingdom wiederholt stellt. Von der sagenhaft atmosphärischen Eröffnungsszene, bis in die letzten Minuten hinein, treffen alle Figuren des Films immer wieder Entscheidungen, die jeglicher menschlichen Logik entbehren. Nicht die Menschen treffen sie, so scheint es, sondern der Film trifft sie für sie. Damit er passieren, sich fortbewegen kann. Weil er sich nicht für eine innere oder äußere oder überhaupt irgendeine Art von Logik interessiert, sondern schlicht andere Schwerpunkte setzt. Etwa seinen spannenden Ideen für die Jurassic-World-Reihe nachgehen, Tentpole- und Franchise-Größenverhältnisse neu abstecken, und dabei natürlich den Dinos, auch 25 Jahre später noch immer die Hauptattraktion, eine Bühne bauen. Damit sie von uns geliebt, gefürchtet und bestaunt werden können. Was für ein schreckliches Vergehen!

Als was ich diesen Kommentar verstanden wissen möchte, ist ein Plädoyer gegen die verquere Vorstellung von Filmrezeption (und ihren Verfechtern), die sich als Abtastung eines Films auf seine vermeintlichen Lücken in einer meistens nicht näher definierten (weil nicht definierbaren) Logik versteht. Eine sonderbare Idee von Logik, auf die sich alle stets einigen können, aber nie im Detail auszuführen bereit sind. Was letztendlich auch ein völlig fruchtloser Diskurs ist, denn: An einem Film ein sogennantes „Logikloch“ festzustellen – schlimmer noch: es dem Film vorzuwerfen – denkt hübsch unkompliziert am Film vorbei, an seiner Geschichte, seiner Wirkung, seinem Subtext, seinen Gefühlen und Gedanken. Schlicht: an allem was ihn doch eigentlich erst interessant macht. Was eigentlich kein Wunder ist, scheint uns das Internet, vor allem die Ära unsäglicher Youtube-Kanäle und ihrer vorgeblichen Filmkritik, doch zur Ausschau nach sogenannten „plot-holes“ (um)erzogen zu haben.

Deswegen zum Abschluss ein Tipp: die selbstzufriedene Gewissheit darüber, dass man bei der Dinoflucht nicht ins, sondern unter das Bett gekrabbelt wäre, ist weder wertvoll noch besonders nachhaltig. Die Freude darüber, dass das Mädchen dafür zu doof war und uns eine aufregende, schöne Sequenz beschert wird – eben ein Moment, der zum Auslösen emotionaler Reize und Reaktionen imstande ist – ist triumphal, ein Sieg fürs Kino und die Kinozuschauer. Das Hirn darf – nein, muss! – dafür sogar anbleiben. Aber eben auch das Herz.

—> Jurassic World: Fallen Kingdom – Kurzkritik

Hostiles (2017) & Jurassic World: Fallen Kingdom (2018) – Kurzkritiken

Hostiles (US 2017, Scott Cooper)

© Universum Film

Kinostart (D): 31.05.2018 – Weißer, grummeliger Massenmörder und weiser, altehrwürdiger Indianerhäuptling lernen sich liebzuhaben, im gemeinsamen Kampf gegen die bösen Eingeborenen (zu erkennen an ihrer blinden Mordlust und den rot bemalten Gesichtern), um sich mit dem letzten Atemzug dann gegenseitig (!) ihre Bluttaten zu vergeben. Some very fine people on both sides. Irre. Am Ende muss der geläuterte Christian Bale, der den ganzen Film über einen Heulkrampf unterdrückt (außer wenn er sich vor Gewitterblitzkulisse tonlosen Schreianfällen hingibt), dann noch eine echte Mannestat begehen und Gleiches mit Gleichem vergelten. Über den vieldiskutierten Three Billboards… kann man ja sagen was man möchte, aber immerhin hat der seine Gewalt noch als grausamen Zyklus aus Leid und Verzweiflung begriffen. Hostiles dagegen beschließt sein Morden mit einem finalen, besonders saftigen Mord – zugekleistert von hymnischer Max-Richter-Musik, mit anschließendem Qualblick zum Publikum. Und dass obwohl der Film zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon längst zu seinem eigenen Witz geworden ist – mit dem verschenkten Auftritt Ben Fosters, der in amerikanischen Westerndramen über romantisch leidende Männer scheinbar nicht mehr fehlen darf. Immerhin: ulkig ist das alles ja, sogar sehr.


Jurassic World: Fallen Kingdom (US 2018, J.A. Bayona)

© Universal Pictures

Kinostart (D): 06.06.2018 – Anders als noch Colin Trevorrow hat J.A. Bayona ein wahnsinnig gutes Gespür dafür, seine Dinosaurier in Szene zu setzen. In den Schauplätzen, Situationen und Lichtverhältnissen von Jurassic World: Fallen Kingdom erscheinen sie uns als überlebensgroße Wandschatten oder schemenhafte Umrisse in Blitzlicht und Feuerqualm, gleichermaßen erhaben und mystisch. Er inszeniert sie als Horrorkreaturen, aber nichtsdestotrotz aus einem (verschreckten) Staunen heraus. Als könnten wir diese Geschöpfe gar nicht anders begreifen als mit einer Mischung aus der ehrfurchtgebietenden Ekstase des ersten und grauenerregenden Panik des zweiten Spielberg-Films. Ähnlich wie damals The Lost World erzählt Fallen Kingdom von einem eingerissenen Traum, aus dem sich folgerichtig ein neuer erheben muss. The kingdom is dead, long live the kingdom. Verlagert wird die Geschichte hierzu in den kleinsten Spielraum aller bisherigen Jurassic-Filme, zumindest nachdem etwas konfus und spektakellastig mit dem direkten Vorgänger aufgeräumt wird. Der Horror der eigenen Kreation lauert jetzt nicht mehr zwischen Blättern und Bäumen, sondern in grell ausgeleuchteten Kerkern und heimeligen Hotelfluren. Dass sich die dort hindurchflüchtenden Menschen nie blöder verhalten haben, ist vergessen, wenn im Finale der Regen zu fallen beginnt. Dann zerstampft die neue Gruselzucht das Kinderzimmermobiliar und auf dem Hausdach erhebt sich eine in Mondlicht getauchte Dino-Silhouette. Welcome, uh, to Jurassic World.

Solo: A Star Wars Story (2018) – Kritik

© Disney / Lucasfilm Ltd.

Wie Han Solo auf Chewbacca traf, wie er seinen Nachnamen und Blaster erhielt, auf welche Ereignisse die „shoot first“-Mentalität und seine dezent misogynen Charakterzüge zurückzuführen sind – all das sind Fragen, die Solo: A Star Wars Story so beherzt beantwortet, als hätten sie bereits Jahre lang brennend im Raum gestanden. Dabei könnten sie die Figur betreffend gar nicht nichtssagender, wenn nicht sogar schädlicher sein. Weiterhin wird versucht den märchenhaften Charakter von George Lucas‘ erstem Star-Wars-Film zu erden, rückwirkend auszubuchstabieren. Die ärgsten Verächter des subtextreichen The Last Jedi dürfen aufatmen: der Han-Solo-Film hat außer über seine eigene Franchise-Verkultung absolut nichts zu erzählen.

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Avengers: Infinity War (2018) – Kritik

© Marvel Studios

Mit Avengers: Infinity War scheint das MCU an einem Punkt angelangt zu sein, an dem sich nur noch ein einziger Pfad auftut: All die verschrobenen Winkel und irrwitzigen Details der zugrunde liegenden Comicbücher willkommen heißen, sich nicht länger für Spinnenmänner und Supersoldaten schämen, sondern sie trotz ihrer albernen Heldennamen als dramatische Figuren begreifen und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Trotz der vielen Einschübe von Humor nimmt der Film die Bedrohung ernst, der seine Welt und seine Figuren ausgesetzt sind, und das hilft der Geschichte dabei, eine Dringlichkeit zu entwickeln, die das MCU lange Zeit vermissen ließ. Es gibt wieder eine Fallhöhe, um das Schicksal von Figuren muss tatsächlich gebangt werden.

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