Ich war zu Gast bei den Cinematic Smash Bros! #3

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In Vorbereitung auf das nahende Death Match bin ich ein weiteres Mal bei den Cinematic Smash Bros in den Ring gestiegen, dieses Mal an der Seite von Rebecca (Reichlich Randale) und Luise. Wie ich mich geschlagen habe und warum Kanzler Palpatine natürlich der beste Filmpolitiker aller Zeiten ist:

CSB #019: Bester Filmpolitiker?

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Monatsrückblick: September 2017

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Vor einem Monat habe ich mich noch gewundert, wie ich es neben der Schreibarbeit für die Uni auf 44 gesehene Filme geschafft habe – und ob ich diesen Rekord im September halten kann. Diese Frage lässt sich jetzt mit einem ziemlich klaren Nein beantworten. Ganze 20 Filme weniger sind es diesen Monat geworden, dafür sind alle drei Hausarbeiten aber endlich verschickt und eingeworfen. Ganz ohne bin ich natürlich doch wieder nicht ausgekommen, auch wenn ich mich gerade im Heimkino durch einen Großteil ziemlich durchkämpfen musste. Hier also ein gewohnt schlecht gelaunter, dafür aber ungewohnt schlanker Einblick in meine monatigen Filmerlebnisse. Enjoy! (or don’t)


Kino: 

mother! (US 2017, Darren Aronofsky)

Ein prätentiöser Filmemacher ist für mich immer auch ein Filmemacher, der sich selbst zu ernst nimmt. Und das fühle ich bei Aronofsky weiterhin einfach gar nicht, auch wenn er in sämtlichen Interview-Auftritten vehement dagegen hält. Gefühlt entspringen seine Filme für mich immer einer genuinen Ambition des Geschichtenerzählens (The Fountain) oder eben der, einen Kunst- und Denkfilm zu inszenieren (was auch immer das sein soll), unter dessen vorgeblicher Schwere garstiger Humor lauert (Black Swan). mother! ist genau wie letzterer kein kluges Drama, sondern eine enorm lustige Groteske, die so lange funktioniert, bis sie gegen Ende anfängt ihren allegorischen Weltentwurf ernst zu nehmen. ~ PV

Good Time (US/LU 2017, Ben Safdie & Joshua Safdie)

Hypnotischer und tragischer Abwärtsspiralenfilm, in dem sich Robert Pattinson nach The Lost City of Z das zweite Mal dieses Jahr als vielversprechender Charakterdarsteller empfiehlt. ~ Sneak

God’s Own Country (GB 2017, Francis Lee)

Ein schwules Liebesdrama, das weder Sex noch Zärtlichkeiten scheut, und tatsächlich eine sehr schöne und aufrichtige Geschichte erzählt, auch wenn sich diese aus dem Abhaken von etwas zu bewährten Plot-Stationen zusammensetzt. ~ Sneak

It (US 2017, Andy Muschietti)

Die Dynamik zwischen den Kinder(darsteller)n ist toll und Bill Skarsgård ist ein guter Pennywise, aber als Horrorfilm entspricht dieser neue It leider sehr den modernen Sehgewohnheiten, ist also hauptsächlich laut und ungruselig wie nix. Die (dem Ausgangsmaterial gemäß) bestimmt misslungene Fortsetzung und damit der Ende des gerade neu entfachten Killerclown-Hypes dürfen gerne kommen. ~ FFF

Voyage of Time: Life’s Journey (US 2016, Terrence Malick)

Von der Entstehung des Universums bis hin zu illuminierten Großstädten –  in 90 Minuten um die Welt! Die unbeschreiblich beeindruckenden Bilder hätte ich zum Teil auch gerne zwei Minuten und nicht nur zehn Sekunden auf mich wirken lassen. Am Ende bleiben es wunderschöne, aber immer nur sehr flüchtige Eindrücke, deren Poesie darunter leidet, dass der Film die komplette Weltgeschichte in anderthalb Stunden unterbringen möchte. Statt des zuweilen wirklich parodistisch anmutenden Voice-Overs wäre auch etwas mehr Lacrimosa nicht schlecht gewesen – dann hätte der Film vielleicht auch die Urgewalt der Schöpfungssequenz aus The Tree of Life nicht nur szenenweise rekreieren können.

Aufholjagd 2017 im Heimkino: 

Guardians of the Galaxy Vol. 2 (US 2017, James Gunn)

Immerhin: Ab und zu ist die Marvel-Schmiede anscheinend noch dazu in der Lage, einen Regisseur sein Ding machen zu lassen, for better or worse. GOTG Vol. 2 erscheint als in sich geschlossenes Einzelabenteuer, ist willkommen farbenfroh, und selbst Baby Groot ist nicht so unsäglich nervig wie die Trailer befürchten ließen. Der verraffte Schlussakt aber lässt den Film hinter seinem Vorgänger zurückbleiben, weil der einen emotionalen pay-off fordert, den Gunn versäumt hat richtig vorzubereiten – wie auch, wenn gefühlt jeder aufrichtige Moment, ob nun episch oder emotional, rasch wegironisiert werden muss? Einen dritten Teil würde ich mir trotzdem noch gerne ansehen.

Patriot’s Day (US 2016, Peter Berg)

Der Anschlag auf den Boston-Marathon 2013 erst als grausame Tragödie, schlussendlich dann aber doch lieber als Triumph weißer, amerikanischer „blue collar“-Männer über die finsteren islami(st)schen Mächte, die das beste Land der Welt zerstören wollen. Peter Berg ist unglaublich gut darin, auf den Moment der Eskalation hinzuinszenieren, aber sobald diese dann abgehakt ist und die Attentäterhetzjagd ihren Lauf nimmt, beginnt die große filmische Ausschlachtung, bei deren „krachender Action“ jedem Trump-Wähler bestimmt ganz warm ums Herz wird. Frauen haben bei dieser nationalistischen Ertüchtigungsnummer natürlich mal wieder überhaupt nichts mitzureden.

Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales (AU/US 2017, Joachim Rønning & Espen Sandberg)

Mindestens genau so ödes Produzentenkino wie der vierte Teil, dessen immerhin in einem etwas ambitionierteren Rahmen aufgezogenen Setpieces im Finale dann leider auch im hässlichen Digitalschlamm versacken. Die wenigen emotionalen Anknüpfpunkte verlassen sich auf Vorarbeit der (im Vergleich jetzt als radikales Auteur-Meisterwerk erscheinenden) Verbinski-Trilogie und Hans Zimmers musical cues, die diesen ultimativen Disney-Bore aber natürlich auch nicht weniger unerträglich gestalten. Johnny Depp versucht sich hier anscheinend an der Parodie eines schlechten Jack-Sparrow-Imitators, spielt am Ende aber doch wieder nur Mortdecai. Es ist nur noch quälend.

Baywatch (US 2017, Seth Gordon)

Die amerikanische Komödie ist toter als tot und Filme wie dieser, die eigentlich gar keine Filme, sondern nur noch stupide Nummernrevues sind, zeigen am deutlichsten auf warum. Ein erbärmlicher, aus den falschesten Gründen lachhafter Versuch mit witzlosen Zoten, reichlich nackter Haut und Everybody’s-Muskelprotz-Darling The Rock einem lange vergessenen Popkultur-Phänomen wieder Leben einzuhauchen. Die in gleißendes digitales Licht gehüllte Titten- und Ärsche-Beschau hat keinen einzigen originellen Witz, keine einzige komponierte Kameraeinstellung und keine einzige Figur, die nicht an ihren stereotypischen Eigenschaften ersäuft – no pun intended. Dieses Remake ist hohles, aggressiv uninteressantes Nichtkino.

Heimkino:

Get Shorty (US 1995, Barry Sonnenfeld)

Das Hollywood-Business als Gangsterzirkus voll mit prätentiösen Schnarchnasen; eine Idee, aus der Barry Sonnenfeld weder Spannung, noch Witz, noch irgendetwas halbwegs Interessantes herauskitzelt. Einen so urkomischen Menschen wie Danny DeVito derart zu verschenken, muss man erstmal schaffen.

Room at the Top (GB 1959, Jack Clayton)

In meiner Erinnerung an das letzte Semester sind scheinbar alle Filme der British New Wave zu einem einzigen Schwarz-Weiß-Matsch aus Wut und Misogynie verschwommen, was angesichts der doch sehr offensichtlichen Qualitäten alleine dieses Films sehr schade ist. Am Ende hatte mein Herz wider Willen einen kleinen Sprung.

Chinatown (US 1974, Roman Polanski)

Vielleicht habe ich einfach zu lange und zu hoffnungsvoll die Erwartung geschürt, in einen ähnlichen Albtraumsog wie einst bei Rosemary’s Baby zu geraten. Ganz so gefangen genommen hat mich Chinatown dann leider nicht, auch wenn mir das berühmt-berüchtigte Ende dann doch sehr unter die Haut ging. Und der Film natürlich trotzdem über alle Maße erhaben ist.

Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street (US 2007, Tim Burton)

Eine Obsession aus Kindertagen, neu entfacht. Es ist auf jeden Fall schön zu wissen, dass ich noch immer einen Großteil der Lieder auswendig mitsingen kann. Und dass der Film durch ungeschulte Kindesaugen keinen Deut brillanter wirkte als heutzutage (durch nur ein bisschen weniger ungeschulte 20sth-Augen). Das ist so ein kraftvoller Film, der sich seiner morbiden, exzentrischen und überaus tragischen Geschichte mit so einem ungebundenen Stilwillen verschreibt (dazu gehören übrigens auch die künstlich erscheinenden CGI), dass es einfach nur eine große Freude ist, ihm auf jede noch so schrille, geschmacklose oder träumerische Ebene zu folgen – gerade weil das tiefschwarze Herz des Films, genau wie die Herzen seiner Figuren, eine bezaubernde und unschuldige Schönheit birgt.

No Country for Old Men (US 2007, Ethan Coen & Joel Coen)

Auch wenn die verdrießliche Altmännermentalität der McCarthy-Dialoge hin und wieder zum Augenrollen einlädt, überzeugt der Film als starkes Katz- und Mausspiel, das von Roger Deakins in die schönstmöglichen Bilder gekleidet wird.

Laurence Anyways (CA/FR 2012, Xavier Dolan)

Eine irritierende Mischung: Einige Szenen wollen mir nicht mehr aus dem Kopf (Fade To Grey, der erste Auftritt vor der Schulklasse, der Schluss), aber den Großteil der Zeit habe ich leider dann doch sehr gelangweilt ausgesessen. Zwischenfazit nach drei Filmen: Dolan ist und bleibt hot, auch wenn die zunehmend substanzlose Natur seiner Erzählungen auf drei Stunden ausgewalzt nicht mehr allzu gut von seinem inszenatorischen shtick kaschiert wird. Bitte wieder kürzere und schwulere Filme!

Se7en (US 1995, David Fincher)

In seiner zynischen Abbildung einer Welt, durch die nur noch gequälte Seelen wandern, die sich mit der allgegenwärtigen Aura des Bösen arrangieren müssen, wahrscheinlich the Fincherest Fincher ever Finchered. Besonders beeindruckend ist, wie trotz der düsteren Mörderhatz viel Platz für kleine Momenten der Zwischenmenschlichkeit bleibt – was sich auszahlt, da beide Hauptfiguren uns bereits als komplexe Menschen erscheinen, wenn Spacey auf den Plan tritt und aus dem Thriller endgültig einen psychologischen Horrorfilm werden lässt. Nur wenige Filme erzählen so erdrückend von der menschlichen Bösartigkeit, was das Finale für mich immer nahezu unerträglich gestaltet – auf eine positive Weise natürlich.

Darkman (US 1990, Sam Raimi)

Beinahe jede Einstellung ist einfallsreich komponiert, Liam Neeson spielt die vielleicht beste Szene seiner Karriere („Take the fucking elephant!“) und Danny Elfman bläst das Ganze zur tragischen Gothic-Herzschmerzoper auf. Solange es noch Regisseure wie Sam Raimi gibt, ist das Kino gesund und munter.

The Game (US 1997, David Fincher)

Das ist einer dieser Filme, an denen irgendwie alles falsch ist. Als Thriller funktioniert er nicht, weil er sich gleich mit dem Beginn des „Games“ einer total albernen Logik verschreibt, und als psychologisches Drama will er sich mit Demütigung und Manipulation seiner Hauptfigur deren Läuterung erschleichen, welche dann im grenzdebilen Finale zelebriert wird. Kein Fincher-Film über, sondern mit Menschenverachtung. Eine Vollkatastrophe.

American Beauty (US 1999, Sam Mendes)

Wie der Film sich aus seinen vielen komplexen Figuren und ihren nicht weniger komplexen Konflikten ein kleines, feines, bekömmliches Päckchen schnürt; sich selbstgerecht an Lester Burnhams Revolte labt und dabei fast schon gefallsüchtig sein Publikum zum Lachen, Weinen, anerkennenden Nicken und pikierten Kopfschütteln einlädt, bedient er – zumindest formal – eigentlich genau jenes biedere Kalkül, dem er eigentlich so beherzt die Fratze herunterreißen möchte. Diese Ak­ku­ra­tes­se ist aber nicht nur Fluch, sondern auch Segen des Films, denn natürlich ist er am Ende viel zu grandios erzählt, zu exzellent gespielt, zu hinreißend mit toller Musik untermalt, und schlicht zu unterhaltsam und bewegend, als dass man ihn nicht mögen könnte.

The Brothers Grimm (US/CZ 2005, Terry Gilliam)

Ein zerfasernder Auflauf aus Genre- und Märchenmotiven, der durch seinen super aufgelegten Cast gerade noch so gerettet wird. Am Ende wirkt das Ganze leider ein bisschen wie mit üblen CGI aufgerüstetes Fantasy-Bauerntheater der Klasse 6a am bunten Abend, aber immerhin ist es dabei nie unsympathisch.

The Godfather (US 1972, Francis Ford Coppola)

Ich hätte jetzt beinahe etwas zum Frauenbild des Films geschrieben, das ich etwas problematisch finde. Aber nur beinahe. (Der Film ist in allen anderen Bereichen natürlich fantastisch. Und lang. Sehr lang.)

Some Like It Hot (US 1959, Billy Wilder)

Die herausgestellte Unbekümmertheit bzw. fast schon kindliche Unschuld des Films (in einer Szene fragt Tony Curtis Jack Lemmon, warum um Himmels willen er denn einen Mann heiraten wolle) ist letztendlich sein großer Trumpf, weil er sich damit jeglicher politischer Untertöne entzieht und einfach nur als Screwball-Komödie um zwei heterosexuelle Männer in Frauenkleidern verstanden werden möchte. Und in dieser Rolle geht er dank der grandiosen Wilder-Dialoge und den noch grandioseren Darstellern zum Glück auch absolut auf.

Face/Off (US 1997, John Woo)

Ist immer dann am besten, wenn Woo ihn als kunstvolles Actionballett inszeniert; wenn Körper umhergeschleudert werden und Kugeln und Tauben in Zeitlupe durch die Luft fliegen. Und natürlich wenn John Travolta seine Crazy-Cage-Imitation geben darf. Ansonsten? Ich möchte das ja eigentlich gar nicht zugeben, aber ich hätte mir tatsächlich etwas weniger Gequassel und etwas mehr Geballer gewünscht.

Gerald’s Game (US 2017, Mike Flanagan)

Hat mich mit einer sehr leisen, sehr kurzen Szene doch tatsächlich um den Schlaf gebracht. Und das in Zeiten, in denen die Gruseligkeit eines Films scheinbar daran gemessen wird, wie oft ein Typ im Clownskostüm schreiend und sich schüttelnd auf die Kamera zugerannt kommt. Leider verkackt Flanagan in den letzten 10 Minuten so ziemlich *alles*, was für sich betrachtet auch schon wieder eine Leistung ist. Im direkten Vergleich zur anderen King-Adaption des Monats schneidet Gerald’s Game (der mit The Moonlight Man doch viel treffender betitelt wäre?) also gleichzeitig besser und schlechter ab.


Zum Monatsrückblick auf Moviebreak

Super Dark Times (2017)

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„It’s a very, very mad world, mad world.“ So besäuselte Gary Jules einst die finale Szene in Donnie Darko, dem mittlerweile zum cult classic herangereiften Coming-of-Age-Mistery-Drama von Richard Kelly. Ein Status, den Kevin Phillips mit seinem Regiedebüt scheinbar zu beerben ersucht: Mit keinem Film wurde sein in ähnlichen Genre-Gefilden angesiedelter Super Dark Times bis jetzt so oft verglichen, und das obwohl er gänzlich auf Wurmlöcher und gruselige Hasenkostüme verzichtet. Stattdessen aber schickt er sich an, für den Albtraum des Teenager-Daseins, mitsamt seiner großen Unsicherheitserfahrung und allerlei delikaten Schreckensszenarien (ein feuchter Traum im Klassenzimmer, der pure Horror), eine neue Form von Genre-Ausdruck zu finden. Auch die Hauptprotagonisten seines Films finden sich in einer überfordernden, einer düsteren, einer nahezu verrückten Welt wieder, die zunehmend aus den Fugen zu geraten scheint.

Gelingen tut Phillips und seinen zwei Co-Autoren vor allem die authentische Abbildung dieser verhandelten Jugendkultur, ohne dass dabei je das (nur allzu bekannte) Gefühl aufkommt, die Dialoge zwischen den Kinder- und Jugendfiguren wären von erwachsenen Drehbuchautoren geschrieben worden, die den Bezug zu dieser Generation längst verloren haben. Wenn Zach, Josh, Daryl und Charlie sich am Kiosk mit Süßigkeiten eindecken und danach fluchend auf ihren Bikes durch die karge Vorstadt düsen, dann strahlt Super Dark Times eine bewundernswerte Natürlichkeit aus, die sich gerade aus dem Fremdscham speist, den etwa Daryls zornige „fuck“-Tiraden mit sich ziehen. Wie der Film in diesem ersten Drittel mit der Eskalation flirtet und seine Figuren etabliert, nur um dann in einer schweißtreibenden Sequenz die Hölle über sie hereinbrechen zu lassen, ist fesselnd, unterhaltsam und stellt die Weichen für den psychologischen Horrorfilm, der Super Dark Times dann leider nicht werden möchte.

Dabei stößt Phillips gerade in der Nachbereitung des schrecklichen Unfalls, in der Hauptprotagonist Zach noch unter Schock stehend seiner Highschool-Flamme in die Arme stolpert, und später von feuchten Horrorträumen heimgesucht wird (in denen der Film plötzlich ein einprägsames Bild aus Lars von Triers Antichrist zitiert), Türen zu spannenden thematischen Gebieten auf. Die Überforderung mit der Schuldfrage, aus der der Film seinen psychologischen Horror zu nähren beginnt, wird hier Teil der adoleszenten Erfahrung seines Hauptprotagonisten Zach, den Owen Campbell mit Bravour spielt. Mit einer abrupten Kehrtwendung wird Super Dark Times dann aber plötzlich zu einem Beinahe-Slasherfilm, der diesen thematischen Faden durchaus weiterspinnt (in dem er das für den Film ausschlaggebende Samuraischwert zum Phallussymbol umdeutet), aber sich letztendlich doch leider nur einer irritierenden Blutlust verschreibt.

Fazit: Das Teenager-Dasein, eine superdunkle Zeit. Kevin Phillips‘ Regiedebüt gefällt mit thematisch spannenden Ansätzen und tollen Jungdarstellern, enttäuscht aber auf den letzten Metern.

Dieser Text ist bei Moviebreak erschienen.

Ég man þig [I Remember You] (2017)

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Der Geisterfilm, so scheint es zumindest, erlebt zurzeit seine große Rückkehr. Nebst den scheinbar am Fließband abgedrehten, im „Waniverse“ angesiedelten oder zumindest davon inspirierten Gruselfilmchen rund um verspukte Häuser und garstige Dämonen, hat auch die Arthouse-Nische das Paranormale wieder für sich entdeckt. Der französische Auteur Olivier Assayas ließ Anfang dieses Jahres Kristen Stewart in Personal Shopper mit einem vermeintlichen Geist per Handy chatten, David Lowery nutzte das klassische Bettlakengespenst in A Ghost Story um von Trauer und Verlust zu erzählen. Der isländische Regisseur Óskar Thór Axelsson siedelt sein Horrordrama Ég man þig (deutscher Titel: I Remember You) irgendwo zwischen diesen sehr unterschiedlichen Auslegungen des Geistergenres an. Er möchte (und vermag) zu gruseln, der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem unter den Oberflächenreizen ausgebreiteten Drama um Kindsverlust – und erzählt ist der Film dabei im Gestus eines isländischen Whodunit-Krimis, in dem der einzige Tatverdächtige eben ein Geist ist.

Wenn wir im Vorspann des Films dem Selbstmord des ersten Opfers beiwohnen, und im Rekordtempo albtraumhafte Bilder aneinandergereiht werden, schürt I Remember You eher Erwartungen an die zappelige Zuschauerfeindlichkeit von Saw. Umso länger der Film voranschreitet, umso mehr entblößt der Vorspann sich aber als irreführender Fremdkörper – denn sehr viel behut- und bedachtsamer kann man einen Horrorfilm kaum noch erzählen. Axelsson gelingt es, die verschiedenen Erzählansätze stimmig ineinandergreifen zu lassen und eine finstere Atmosphäre heraufzubeschwören, in deren kalten, malerischen Bildern man sich nach dem ersten Auftritt des Geisterkindes nicht mehr in Sicherheit wiegt. Vor allem schön sind die Schreckmomente, weil Axelsson sie für sich stehen und wirken lässt – hier muss ein Geist nicht erst in tosenden Computerbildern Wände einreißen und Körper umherschleudern, damit wir uns seiner Bedrohlichkeit auch wirklich bewusst werden. Diese Bedrohlichkeit wird geschickt verknüpft mit dem emotionalen Zentrum des Films, in dem Arzt Freyr (Jóhannes Haukur Jóhannesson) das spurlose Verschwinden seines Kindes verarbeiten muss.

So zielsicher wie der Film seine Handlung voranpeitscht und Figuren wie Zuschauer neue Entdeckungen machen lässt, so befremdet lässt er nach den Schlussminuten dann leider zurück. Denn das Zusammenführen der zwei Handlungsstränge, zwischen den der Film immer wieder hin- und herpendelt, erweist sich als fruchtloser filmischer Trick, der die Geschichte von Freyr zu einem emotionalen Schlusspunkt führt, während er mit der anderen – die eines Pärchens, das in einer abgelegenen Hütte von einem Geist heimgesucht wird – scheinbar nichts mehr anzufangen weiß. Weder auf Gefühls- noch auf Inhaltsebene kommunizieren die beiden Erzählungen wirklich miteinander, weswegen der große Augenöffner am Ende ausbleibt. Stattdessen stellt sich eine milde Frustration ein, tatsächlich emotional in einige der Nebenfiguren investiert zu haben – wo sie doch letztendlich nur dazu gedient haben, dem behutsamen Verlustdrama ein paar gruselige Fratzen unterzuschieben.

Fazit: Ein schön in Szene gesetzter Geisterfilm zwischen Grusel und Gefühl, der mit seiner befremdlichen Auflösung leider enttäuscht.

Dieser Text ist bei Moviebreak erschienen.

Monatsrückblick: August 2017

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Wow! Ich hätte wirklich mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass der August so ein voller Monat wird. Das Schönste: Ich habe trotzdem fleißig an meinen Hausarbeiten gearbeitet und liege, soweit ich das zurzeit beurteilen kann, sogar ganz gut in der Zeit. Trotzdem blieb viel Zeit für Kontrastprogramm Kino, vor allem aber für die große Aufholjagd 2017 (sage und schreibe 14 Filme sind es geworden). So ist das halt, wenn man einen schönen Filmabend einem Ausflug in die brütende Hitze vor der Haustür jederzeit vorzieht. Da nun noch genau ein Monat vor mir liegt, in dem mein Alltag vermutlich genau gleich ablaufen wird, bin ich gespannt, wie viele Filme ich dann Ende September angesammelt habe (zum direkten Vergleich: diesen Monat waren es 44). Bis dahin wünsche ich allen Lesern einen angenehmen Restsommer und vergnügliche Filmerlebnisse!


Pressevorführung:

Logan Lucky (US 2017, Steven Soderbergh)

Am Ende wird die Räuberbande in einem Fernsehbericht „Ocean’s 7-Eleven“ genannt (die deutschen Untertitel machen daraus „Ocean’s Eleven Light“), womit sich der Film erstaunlich gut selbst zusammenfasst. Denn den direkten Vergleich zu Clooneys Truppe verliert er leider, dazu ähneln sich seine schrulligen Hinterwäldlerfiguren alle ein bisschen zu sehr und der Heist ist schlicht nicht clever genug. Zugeschaut habe immer leise amüsiert, aber auch ziemlich gelangweilt.

It Comes at Night (US 2017, Trey Edwards Shults)

Kein Horrorfilm, sondern ein psychologisches Drama, das den Horror des Menschseins in sich eingefasst hat. Von der ersten Szene an, die innerhalb von Sekunden aus einem gruseligen Bild ein trauriges macht, lauert über dem Film eine Ausweglosigkeit, die alle Figuren tief in sich begraben haben – und die sich nachts, wenn sie mit ihren Gedanken und Ängsten alleine sind, wieder an die Oberfläche arbeitet. Ein kluger und verstörender Film.

Annabelle: Creation (US 2017, David F. Sandberg)

Türen knallen, Glühbirnen flackern und am Ende wackelt wieder die ganze Bude. Ach ja. Nach dem überraschend schönen Lights Out ist David F. Sandbergs zweiter Spielfilm leider ein totaler Reinfall – im „Waniverse“ [sic] also soweit nichts Neues. Zur Kritik auf Moviebreak

I Remember You (IS 2017, Óskar Thór Axelsson) & Super Dark Times (US 2017, Kevin Phillips)

Beides typische FFF-Filme. Mehr kann ich dazu zurzeit irgendwie noch nicht sagen.

Kino (regulär):

Valerian and the City of a Thousand Planets (FR 2017, Luc Besson)

In 2D ließ sich der Film tatsächlich sehr viel angenehmer schauen, vor allem habe ich aber etwas von den ersten 20 Minuten mitbekommen und musste nicht mit akutem Brechreiz kämpfen. An meiner Meinung konnte das aber nichts ändern, leider.

The Fifth Element (US 1997, Luc Besson)

Die im gleichen Atemzug ausgestoßenen Valerian-Disse und Lobpreisungen für The Fifth Element befremden mich ein bisschen – handelt es sich nicht irgendwo fast um den gleichen Film? Beide sind schrill, bunt, einfallsreich, etwas strapaziös und auf charmante Weise Kinder ihrer jeweiligen Zeit. Genau wie Valerian habe ich The Fifth Element zwischendurch sehr begeistert, dann aber doch wieder sehr angestrengt ausgesessen. Auch wenn Ian Holm als aufgelöster Priester so goldig durch den Film hindurchstolpert, dass man eigentlich sofort alles verzeihen möchte.

Ghost in the Shell (JP 1995, Mamoru Oshii)

In seiner Kombination von verregneten Großstadtbildern in Cyberpunk-Ästhetik und besinnlicher New-Age-Musik hat mich der Film sehr an Blade Runner erinnert – gerade wenn er sich irgendwann in der Mitte Zeit für wortlose Stadtimpressionen nimmt und in seiner futuristisch-sinnlichen Atmosphäre schwelgt. Inhaltlich gibt es zu diesem Film wahrscheinlich nichts zu sagen, was in den letzten 20 Jahren nicht schon gesagt wurde – ich zumindest habe bis zum Ende sehr gebannt zugeschaut.

Aufholjagd 2017:

Kong: Skull Island (US 2017, Jordan Vogt-Roberts)

Nichts wird mich dieses Kinojahr so sehr befremden wie die doch recht wohlgesonnene Rezeption dieses Films. Die hässlichen Farben, der zappelige Schnitt, die leeren Figurenhüllen, der peinliche Humor, die unentwegten needle-drops – Kong: Skull Island ist modernes Blockbusterkino am absoluten Endpunkt. Ein dilettantischer und scheußlicher Film, der Nostalgie mit militärischer Fetischisierung und Post-Humanismus mit Menschenverachtung verwechselt. Unguckbar!

Life (US 2017, Daniel Espinosa)

Die reizlose Frage, wie wohl Alien aussehen würde, wenn Ridley Scott ihn im Jahr 2017 gedreht hätte, beantwortet Life ganz erwartungsgemäß: ungefähr so wie vor 40 Jahren, nur lauter, dümmer und sehr, sehr viel schlechter (siehe auch Alien: Covenant). Küsschen gibt es nur für die schöne Plansequenz zu Beginn, den sichtlich bemühten Jakey und das böse Ende, das mich tatsächlich überraschte, obwohl einer der Trailer es im Grunde schon vorwegnimmt.

Collateral Beauty (US 2016, David Frankel)

Am Ende folgen zwei Twists direkt aufeinander und beide sind so unsagbar dämlich, das sie auch alleine die Kraft hätten, einen formidablen Film komplett zu ruinieren. Zum Glück ist Collateral Beauty zu diesem Zeitpunkt aber schon selbst so unsagbar dämlich, das es nichts mehr zu ruinieren gibt und es so scheint, als hätten die Twists gar keine andere Möglichkeit, als sich aus der bizarren, umständlichen Logik des Films zu ergeben. Vielleicht nicht der schlechteste Film des Jahres, aber ganz sicher der befremdlichste.

Indignation (US 2016, James Schamus)

Eine sehr männliche und irgendwo auch sehr wehleidige Perspektive, aus der der Film heraus erzählt. Über die große Sinnlosigkeit des Daseins, bestimmt und geformt nur durch erbarmungslose Kausalität. Die langen, pointierten Dialoge in kleinen, kahlen Räumen verdammen den Film zu einer Starrheit, der James Schamus verzweifelt eine filmische Qualität abzuringen versucht. Am Ende hat mich alles außer Logan Lermans begnadetes Spiel aber ziemlich kalt gelassen.

Live by Night (US 2016, Ben Affleck)

Wirklich gut finden darf man diesen Film wahrscheinlich nicht, dazu lässt Ben Affleck uns das epische Ausmaß dieser Geschichte nie richtig spüren und ist auch immer noch ein viel zu ausdrucksloser Schauspieler. Und trotzdem würde ich gerne eine Lanze für ihn brechen, denn Live by Night fühlte sich für mich als erster Film des Jahres wirklich durch und durch nach klassischem Kino an, veredelt durch tolle Bilder von Robert Richardson und Afflecks turbulente Auswahl an Hüten.

Shin Godzilla (US/JP 2016, Hideaki Anno & Shinji Higuchi)

Humanismus im Angesicht des Zorn Gottes. Godzilla hat hier noch weniger Auftritte als in der US-Version von 2014, aber dafür krachen sie dann auch richtig. Zwischen den Monsterauftritten, die liebevoll mit einer Mischung aus handwerklicher und digitaler Trickserei bewerkstelligt werden, ist der Film im Grunde nur eine große Montagesequenz über eifrige Menschen, die versuchen mit einer Katastrophe umzugehen, ohne dabei ihre Menschlichkeit einzubüßen. Am Ende ist Shin Godzilla fast schon ein optimistischer, wenn nicht sogar humanistischer Film, was ich sehr mochte.

A Cure for Wellness (DE/US 2016, Gore Verbinski)

Eigentlich ist bei Gore Verbinski alles beim Alten geblieben: ein Händchen für tolle Bilder hat er immer noch, aber der Hang zum ausschweifenden Erzählen treibt denen irgendwann ihren Reiz aus. Irgendwo in diesem zweieinhalbstündigen Epos des Gothic-Horror (ein Genre, für das der Film immerhin ein reges Interesse bei mir geweckt hat) steckt ein eineinhalbstündiger Thriller, der mir vielleicht sogar richtig gut gefallen hätte. Highlights: Die Sauna-Szene und der Wahnsinn im Finale.

The Salesman – Forushande (FR/IR 2016, Asghar Farhadi)

Aus dem Rahmen des politisch motivierten, um Mitleid für sein geplagten Figuren bettelnden Sozialdramas entwindet sich Asghar Farhadi geschickt und bleibt bei der Konstruktion seiner moralischen Problemsituation immer sehr nah an den Menschen, ungeachtet ihres gesellschaftspolitischen Umfelds. Nur wie er zum Ende hin die Ambivalenz der Sympathien erzwingt, war mir dann leider ein bisschen zu einfach.

Ghost in the Shell (US 2017, Rubert Sanders)

So ziemlich das Langweiligste, was man aus dem japanischen Original hätte machen können. Die daraus entlehnten Motive sind beinahe ausschließlich visueller Natur und dienen nur dazu, die faden Actionsequenzen aufzurüsten, während die wirklich spannenden Ansätze derweil in einer aufgewärmten Geschichte um superböse Konzerne und AI-Existenzkrise verwässern. Ein so öder und leerer Film, dass man geneigt ist, ihm zu unterstellen, selbst von einem Computer inszeniert worden zu sein.

The Fate of the Furious (US/CA/GB/FR/JP 2017, F. Gary Gray)

Von der den Film eröffnenden Rückbesinnung auf die Franchise-Anfänge, über die halb-ironisch ausgestellte Muskelberg-Mentalität, bis hin zu den absurd über die Stränge schlagenden Actionsequenzen (im Finale wird doch tatsächlich der Dritte Weltkrieg abgewendet), zeichnet sich immer deutlicher ab, dass The Family langsam der Dampf unter der Haube ausgeht. Gewinnen tut am Ende nur Jason Statham, dem mit einer knuddeligen Hard-Boiled-Referenz die beste Szene des Films gehört – und dessen Kabbeleien mit The Rock auch heftig den schwulen Subtext des Films befeuern. Wer weiß, vielleicht finden die beiden im nächsten Film ja zusammen und die F&F-Reihe damit endlich zu sich selbst.

Free Fire (FR/GB 2016, Ben Wheatley)

Profil- und witzlose Knallchargenfiguren, die 80 Minuten lang aufeinander schießen, während die Kamera das auf die erdenkbar unfilmischste Weise einfängt. Die absolute Hölle! Vorerst der letzte Film von Ben Wheatley, den ich mir freiwillig angeschaut habe (und es war gerade mal der zweite, so that’s saying something). Die wichtigste Frage bleibt am Ende offen: Was hatte Cillian Murphy hier zu suchen?

Mein Leben als Zucchini (FR/CH 2016, Claude Barras)

Hat mich in 60 Minuten mehr berührt und mehr mitfiebern lassen als ein Großteil der Filme dieses Jahr, auch wenn mich der emotionale Paukenschlag zu Beginn auf ein Meisterwerk hoffen ließ – ein Versprechen, dass Claude Barras leider nicht einlöst, was aber am Ende auch überhaupt nicht schlimm ist. Selten hat ein Kinderfilm den unschuldigen Witz seines Genres so tritt- und taktsicher gegen die düsteren Realitäten der Erwachsenenwelt ausgespielt.

The Birth of a Nation (US 2016, Nate Parker)

Nate Parkers dilettantisches Regiehandwerk sucht wirklich seinesgleichen: Zwei Stunden sterbenslangweilige Selbstinszenierung in spottbilliger Fernsehfilmästhetik, deren Handvoll visueller Einfälle filmstudentischer nicht sein könnten. Ist aber sowieso alles egal, denn in der blutigen Eskalation des Sklavenaufstandes angelangt, brennen diesem sowieso schon hirnverbrannten Film endgültig alle Sicherungen durch und er suhlt sich nur noch lustvoll in seiner göttlich gerechtfertigten Gewalt – wenn Köpfe abgetrennt und Kehlen aufgeschlitzt werden, während Parker sich selbst als heilige Führerfigur in Szene setzt, entblößt sich seine schwarze Rachefantastie unverhohlen als menschenverachtendes Manifest. Das Engelskostüm am Ende hat mir den Rest gegeben.

The Founder (US 2016, John Lee Hancock)

Darin, wie der Film vom amerikanischen Traum erzählt; vom bösen Kapitalismus und von Protagonisten, die zu Antagonisten werden, schließt er nahtlos an Filme wie Gold, War Dogs und wahrscheinlich bald auch das neue Cruise-Vehikel American Made an. Der Unterschied ist, dass John Lee Hancock sich nie entscheiden kann, was für einen Film er eigentlich inszenieren möchte und The Founder tonal querbeet alles mitnimmt, was ihm vor die Nase kommt. Ein seltsamer und seltsam misslungener Film. Der Laura Dern – und irgendwie auch Michael Keaton – auf schlimmstmögliche Weise verschwendet.

Zuhause:

Raiders of the Lost Ark (US 1981, Steven Spielberg)

Vermutlich der beste Abenteuerfilm, der je gedreht wurde. Und dazu wahrscheinlich die schönste jüdische Rachefantasie des Mainstreamkinos, zumindest bis Quentin Tarantino Jahrzehnte später ein Kino voller Nazis in die Luft jagen würde.

Indiana Jones and the Temple of Doom (US 1984, Steven Spielberg)

Indy, der white savior. Für seinen ganz offen zur Schau gestellten Rassismus müsste man dieses zweite Abenteuer von Indiana Jones eigentlich verdammen, aber dazu ist es leider viel zu gut. Alleine das atemlose Opening in Shanghai steckt so gut wie alle Bond-Pre-Title-Sequenzen mühelos in die Tasche und in den blutig vernebelten Schächten des Todestempels angekommen, entfesselt Spielberg ein absolut furioses Spektakel – gekrönt von einer der umwerfendsten Verfolgungsjagden, die das Kino je gesehen hat.

Indiana Jones and the Last Crusade (US 1989, Steven Spielberg)

Nach der Radikalität des Vorgängers besinnt sich Spielberg wieder in brave wie bewährte Gefilde zurück. Nazis, Wüstensand, John Rhys-Davis und am Ende ein religiöses Artefakt unschätzbaren Werts: Last Crusade folgt artig der Erfolgsformel des ersten Teils. Vielleicht habe ich ihn deshalb bei der diesjährigen Sichtung als schwächsten Indy-Teil erlebt, was innerhalb dieser Reihe aber natürlich nicht viel zu bedeuten hat.

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (US 2008, Steven Spielberg)

Spinnt die Jones’sche Familiensaga im kuriosen Ausmaß weiter und erfreut mit sauber geschnittenen (leider etwas unglücklich getricksten) Actionsequenzen, einem richtig gut aufgelegten Harrison Ford und Cate Blanchett als säbelschwingender KGB-Schurkin. Die Indy-Nerds dürfen gerne haten was das Zeug hält, das letzte Kinojahrzehnt hat aber kaum ähnlich spaßige Abenteuerfilme vorzuweisen – und die Marsmännchen am Ende sind natürlich das Beste.

The Curious Case of Benjamin Button (US 2008, David Fincher)

In der Tradition klassischer Hollywoodmärchen erzählter Kitschfilm mit von hinten aufgerollter Lebens-, Leidens- und Liebesgeschichte. All das bleibt bis zum Ende aber vor allem schrecklich kalt, vielleicht weil David Fincher einfach viel besser darin ist, böse Filme über böse Menschen zu drehen.

Philadelphia (US 1993, Jonathan Demme)

Die nachfühlbar gemachte Empathie des Films war es letztendlich, was mich zu Tränen rührte. Und natürlich die Opernszene, wahrscheinlich Tom Hanks‘ größter Schauspielmoment. Plus: So hochfilmisch kann man ein Gerichtsdrama in Szene setzen!

The Dark Crystal (US 1982, Jim Henson & Frank Oz)

Noch nicht einmal 90 Minuten kriegen Jim Hensen und Franz Oz mit ihrem absoluten Minimum an Story und Charakteren zusammengeschustert. The Dark Crystal ist das Werk von zwei leidenschaftlichen (und hochtalentierten) Puppenspielern, aber für einen mitreißenden oder über seine aufwendigen Oberflächenreize hinaus auch nur im Ansatz interessanten Film reicht dieser starre und schrecklich leblose Kulissenzauber leider nicht. Schade, den hatte ich mir in freudiger Erwartung lange aufgehoben.

Platoon (US 1986, Oliver Stone)

Abgesehen von der erschütternden Sequenz in dem vietnamesischen Dorf, die das menschliche Grauen des Krieges besser aufzeigt als jede Explosion, ist das ein erschreckend stumpfsinniger Film, in dem sich eigentlich nur nerviges „Faggot/Bitches“-Männergelaber mit chaotischer Kriegsaction abwechselt. Spätestens wenn der Film im letzten Drittel von letzterer beinahe komplett verschlungen wird, setzte bei mir jede Form von Interesse schlagartig aus – und Charlie Sheens abschließende Selbsterkenntnis per Voice-Over („We did not fight the enemy, we fought ourselves. And the enemy was in us“) ließ mich dann schließlich noch laut auflachen. Kann Frank und Jane also verstehen.

Wall Street (US 1987, Oliver Stone)

Charlie Sheen ist hier bemühter am Werk als in Platoon, aber besonders in den gemeinsamen Szenen mit Papa Sheen wird deutlich, wie ausdruckslos sein Spiel noch immer ist. Ansonsten finde ich den Film schlicht zu uninteressant, als dass ich noch irgendetwas Interessantes über ihn zu sagen hätte.

The Talented Mr. Ripley (US 1999, Anthony Minghella)

Ich mochte den Film und habe Matt Damons zunehmend aus dem Ruder laufende Maskerade (an)gespannt verfolgt – was mir am Ende gefehlt hat, kann ich gar nicht genau sagen. Vielleicht war es nur eine Szene, in der Matt und Jude zusammen im Bett landen, wer weiß?

Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb (GB 1964, Stanley Kubrick)

Immer wieder szenenweise habe ich in die absurde Komik des Films hineingefunden, nur um dann von einem besonders albernen Moment wieder herausbefördert zu werden. Als überzogener Satire-Dampfhammer durchaus reizvoll, und gesegnet mit einer brillanten Dreifachleistung von Peter Sellers, aber bis zum Schluss hatte ich nicht das Gefühl, dass mit Kubrick und Komödie zwei Dinge zusammengekommen sind, die zusammengehören. Schaue ich in ein paar Jahren noch mal.

Casablanca (US 1942, Michael Curtiz)

Ich werde niemals darüber hinwegkommen, dass der Film nicht so melancholisch endet, wie es mir während der letzten Minuten ausgemalt habe (siehe Letterboxd-Review). Trotzdem ist das natürlich ein ganz toller Film, der mir vor allem deswegen so sehr ans Herz ging, weil er von menschlicher Aufrichtigkeit in unmenschlichen Zeiten erzählt.

We Were Soldiers (US 2002, Randall Wallace)

Eine amerikanische Heldendichtung, die sich den Krieg in einer Kirche rechtfertigen lässt, ehe es ihn in menschenverachtenden Actionsequenzen dann bestätigt. Sein Sujet verherrlichend, frönt der Film nebenbei auch noch sülziger Männerhybris und ganz üblem Hausfrauensexismus. Dass aus dem Originaltitel „We Were Soldiers“ hierzulande „Wir waren Helden“ wurde, könnte für diesen widerlichen Film gar nicht bezeichnender sein.

The Hunchback of Notre Dame (US 1996, Gary Trousdale & Kirk Wise)

Das finstere Gedankengut seiner literarischen Vorlage mag der Film reichlich beschneiden, davor zurückscheuen tut er aber nicht. Dieser Mut ist Disney zugutezuhalten, auch wenn es dann leider doch nicht ganz ohne comic reliefs und die damit einhergehende Komödienhysterie geht.

Death Note (US 2017, Adam Wingard)

Von den ultranervigen Darstellern über die dauerdröhnende Musikbeschallung bis hin zum total verkackten Erzähltempo ist dieses Remake wirklich maximal peinlich. Warum Netflix sich die Rechte sicherte, um dann einen talentierten Regisseur dazu zu zwingen, Staffeln über Staffeln in einen 90-minütigen (!) Spielfilm zu zwingen, werde ich niemals verstehen. Adam Wingard trägt seine Karriere weiter zu Grabe – als nächstes dann Godzilla vs. Kong, na danke.

The Mummy (US 1999, Stephen Sommers)

Als kleiner Bub konnte ich wegen Imhoteps aufgerissenem Mumienmund nächtelang nicht schlafen – ich habe hier also eine schöne Reise zurück in meine Kindheit unternommen, in der ich auch gerne so cool wie Brendan Fraser sein wollte (ganz ehrlich, will ich immer noch). Vor allem bin ich aber zu einem unter Wert verkauften Film zurückgekehrt, der die Waage zwischen Abenteuer, Action und Horror souverän hält und tatsächlich noch so etwas wie durchdachte und einfallsreiche shot compositions aufzubieten hat, mehr als ein Großteil der Blockbuster heutzutage von sich behaupten können.

The Mummy Returns (US 2001, Stephen Sommers)

Fällt dem Vorgänger gegenüber etwas ab, weil er sich gerade gegen Ende etwas zu sehr in unvorteilhaft gealtertem Effektgewitter verliert. Trotzdem folge ich Rick und Evie auch hier noch immer gerne ins Abenteuer, vor allem wenn es so schön von Alan Silvestri vertont ist. Die Bustour durch London ist außerdem ganz famos.

Cry-Baby (US 1990, John Waters)

Mein erster John Waters. I am in love. Eine schrille wie scharfsinnige Satire, ein (homo-)erotisch aufgeladenes Jukebox-Musical, eine komplett durchgedrehte und demnach stets unberechenbare Komödie, die sich gefühlt im Minutentakt neuen filmischen Regeln verschreibt – seit ich im Juni Moulin Rouge im Kino gesehen habe, hat mich ein Film nicht mehr so beseelt, mir so den Mund vor Staunen, Grinsen und Lachen aufgesperrt. Anderthalb Stunden zum Verlieben.

Spider (GB/FR/CA 2002, David Cronenberg)

Als unzuverlässig erzählter Einblick in psychisch gestörte Wahrnehmungswelten, hat mich der Film – gerade in seiner Nachwirkung – im höchsten Maße beunruhigt. Warum kann ich gar nicht genau sagen, aber ich vermute dass es die Note der großen Hoffnungslosigkeit ist, auf der Cronenberg die Geschichte ausklingen lässt.

The Terminator (GB/US 1984, James Cameron)

Ein brachialer und dennoch von düsterer Romantik durchzogener Actionfilm, der vor allem von seinen tollen Figuren profitiert – und, kein Scherz, von Arnold Schwarzeneggers Performance, die so wunderbar bedrohlich und otherwordly ist.

Terminator 2: Judgment Day (FR/US 1991, James Cameron)

Auch wenn ich das Finale im Stahlwerk dieses Mal als eine Spur zu langgezogen erlebt habe, bleibt T2 ein überlebensgroßes Actionmeisterwerk, das mir mit seinen gewaltigen Setpieces (diese Hubschrauber-Verfolgungsjagd!) und den grandios gealterten Spezialeffekten, auf der Schwelle zwischen analogem und digitalem Kino, immer wieder die Kinnlade lockert.

Stephen Kings Es (US 1990, Tommy Lee Wallace)

Natürlich ist das heutzutage alles null scary, hat sich dafür aber einen faszinierenden Charme bewahrt. Die Freundschaft der Kinder ist toll, das Finale ganz großer Müll. Ich habe 190 Minuten schon mal gequälter ausgesessen, was leider das beste Kompliment ist, was ich schlussendlich für den Film aufbringen kann.


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