Review: TRANSFORMERS: AGE OF EXTINCTION

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Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, Transformers: Age of Extinction nicht im Kino zu gucken. Was für einen Anlass gäbe es auch dazu, außer dass es eben einen der “großen” Filme in diesem Jahr ist? Dass das klassische Bay-Bashing mittlerweile genau so nervt wie das „Boah ey, is’ halt Popcornkino, was erwartest du denn?“-Argument ist mir klar, dementsprechend weiß ich nicht so recht, wie ich dieses Review überhaupt beginnen soll, ohne gleich das erstgenannte Klischee zu bedienen und damit die Vertreter vom zweitgenannten in ihre uneinnehmbaren Schützengräben zu vergraulen. Fakt für mich ist: Transformers: Age of Extinction ist der schlechteste Film des Jahres, mit großem Abstand. Wir hatten bereits einige Tiefpunkte in diesem Jahr, aber nichts war bisher so schlimm wie dieser Film und es sieht auch nicht danach aus, als würden wir 2014 noch etwas ähnlich Schlimmes zu Gesicht bekommen.

Warum also war ich trotz schlimmster Befürchtungen im Kino? Vielleicht waren es tatsächlich ein paar  Bilder der Werbekampagne, die mir dann doch irgendwie Lust gemacht haben. Vorrangig war es aber meine Neugierde, ob der Film tatsächlich so schlecht ist, denn selbst die Urteile von einigen US-Kritikern, die für Patriotismus und Explosionen meistens gern zu haben sind, fielen zum Teil vernichtend aus. Meine Begleitung und ich haben uns also vorgenommen, auf die erst kürzlich in diesem Video wunderbar erklärten “Bayhems” und sonstige Inszenierungs-Klischees des Action, Ärsche und Autobots bejubelnden Regisseurs besonders kleinlich zu achten, um zumindest so irgendwie Spaß an dem Film zu haben. Gut funktioniert hat das ungefähr für die ersten zwanzig Minuten, denn danach hat bei uns anscheinend Schockstarre eingesetzt (abgesehen davon, dass beinahe sekündliches Anstupsen und geflüsterte Hinweise, in welchem Teil des Frames sich die USA-Flagge dieses Mal versteckt, irgendwann nervig werden).

Auf diese Schockstarre folgten dann schon bald das unruhige Hin- und Herrutschen auf dem Kinosessel, der Brille-abnehmen-Test, ob der 3D-Effekt überhaupt noch vorhanden ist, und in der letzten Dreiviertelstunde schließlich der Drang, schreiend und weinend aus dem Kino zu rennen. Es gibt diese Filme, die man von vorn­he­r­ein nicht mögen will und bei denen man dann hinterher eine fast schon masochistische Genugtuung verspürt, wenn sie tatsächlich schlecht geworden sind, insbesondere wenn man seinen ganzen Frust in einen gepfefferten Verriss fließen lassen kann. Transformers: Age of Extinction hat mir aber nicht nur seelische Schmerzen zugefügt und mich zu Tode gelangweilt, selbst das darauf folgende Geläster und Frustschreiben bereitet mir seltsamerweise keine Freude – es ist letztlich also noch nicht mal ein Film, den ich leidenschaftlich hassen kann und damit ist er tatsächlich sogar noch schlimmer als einige meiner offiziellen Hassfilme. Ich bin auf so vielen Ebenen verärgert, dass ich gar nicht weiß, wo ich überhaupt anfangen soll. Und das meine ich so, wie ich es sage.

Während Bay hier auf penetrante Militärpropaganda größtenteils verzichtet, scheißt er geflissentlich auf das „more dark & gritty“-Leitmotiv des Vorgängers und setzt stattdessen wieder auf den albernen Humor des zweiten Teils, der hier zu Anfang auf das Konto von Silicon Valley-Star T.J. Miller geht. Der ist im ersten Drittel  für die kreischig-doofen Oneliner zuständig, ehe er im ersten großen WTF-Moment des Films völlig überraschend abgesägt wird. Die Erleichterung des Zuschauers ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn den Part des nervigen Sidekicks übernimmt kurz daraufhin Stanley Tucci als exzentrischer Firmenboss Joshua Joyce. Dem steht die „Where is my paycheck?“-Einstellung nicht ganz so deutlich ins Gesicht geschrieben wie John Malkovich und Frances McDormand im Vorgänger, stattdessen versucht er sich in komödiantischer Improvisation und sorgt für Momente von so schmerzhaftem Fremdscham, dass man sich tatsächlich das Autobot’sche Zwillingsgespann des zweiten oder den „I’m just here, ’cause Michael liked The Hangover“-Auftritt von Ken Jeong des dritten Teils herbeisehnt.

Das Fehlen von rassistischen Stereotypen macht Bay dafür mit seinem Sexismus wieder wett und der ist schlimmer denn je. Frauen bestehen für ihn weiterhin nur aus Po und Brüsten, dementsprechend voyeuristisch setzt er die Kurven von Nicola Peltz in Szene, klebt mit der Kamera geradezu an ihren üppig ausgefüllten Hotpants und inszeniert alles drumherum in dem für ihn typischen Hochglanz-Look, der immer wieder die Erwartung schürt, dass sie einem der sie umgebenden Männer plötzlich die Hose öffnet und das Ganze in einen Porno umschlägt – was die Vater-Sohn-Beziehung zwischen ihr und Mark Wahlbergs Figur gleich noch um einiges gruseliger macht. In einem späteren Moment, den man sicher auch überinterpretieren kann, aber den ich auch nicht unerwähnt lassen möchte, schießt dann der von John Goodman gesprochene Autobot Hound auf ein Vagina-ähnliches Alien, weil es ihm – Achtung! – ekligen Glibber ins Gesicht gespritzt hat. Öhm, ja… das darf man auch gerne einfach mal so stehen lassen.

Zu sagen, dass die ersten drei Teile gewisse Ähnlichkeiten haben, wäre noch gnadenlos untertrieben. Bay ist nicht umsonst dafür bekannt, dauernd bei sich selbst zu stehlen. So sollte dann auch dieser vierte Teil des Franchises vor allem eins werden: anders! Tatsächlich hält Bay dieses Versprechen hier zum Teil, bemüht sich zu Anfang sogar ausführlich um’s character development, nur dass die peinlichen Dialoge und das fehlende Talent sämtlicher Darsteller radikal gegen ihn arbeiten. Dementsprechend windet man sich dann vor Unbehagen, wenn Marky Mark und Person XY Smalltalk halten, vor allem weil man ersterem die Rolle des raubeinigen Erfinders (!) einfach mal so gar nicht abkauft. Die obligatorische Opening Sequence mit Transformers-Content, der humane set-up, das dann entfachte und kein Ende findende Geballer mit zig Showdowns, der finale Monolog von Optimus Prime… so richtig aus seinem üblichen Schema ausbrechen will Bay einfach nicht, da hilft auch die zeitweise Umverlegung des Plots auf ein Decepticon-Raumschiff und ‘ne veränderte Titelschriftart nichts. Der Plot macht derweil immer wieder unlogische Sprünge und lässt – etwa wenn Bumblebee mit Neuzugang Jack Reynor in einem Raum (seriously, eine bessere Bezeichnung fällt mir dafür nicht ein) steht und eine überarbeite, rote Version seiner selbst inspiziert – Momente entstehen, die irgendwie surreal wirken und einen als Zuschauer komplett ratlos zurücklassen.

Die Actionszenen ermüden in ihrer Redundanz nur noch, vor allem weil Bay nach drei Teilen anscheinend alle seine visuellen Asse verspielt hat und weder mit Slow-Motion, noch mit dem 3D-Effekt irgendetwas Sinnvolles anzufangen weiß. Lediglich der bereits im Trailer gezeigte Drahtseilakt zwischen Raumschiff und Hochhaus hat Wirkung bei mir gezeigt, auch wenn Bay da meine panische Höhenangst in die Karten spielt. Die in your face-Mentalität früherer Actionszenen schraubt Bay um ein Minimum zurück (wir wissen hier immerhin, wer gerade gegen wen kämpft), dafür kleistert er die Leinwand mit unübersehbarer Schleichwerbung zu, biedert sich durch eine komplett überflüssige Nebenfigur an den chinesischen Markt an und lässt uns weiterhin genüsslich an seinem Sadismus teilhaben, wenn in Zeitlupe (Metall-)Körper zerfetzt oder aufgeschlitzt werden. Szenen, wie die Exekution des um Gnade winselnden Bösewichts durch einen Kopfschuss, wie wir sie am Ende des dritten Teils zugemutet bekommen haben, fehlen hier glücklicherweise, dennoch zeigt Optimus Prime weiterhin Charakterzüge eines ausgewachsenen Psychopathen, wenn er mit Kampfschreien à la “I’ll kill you!” (über die man schon fast wieder lachen könnte, wenn sie in einem  PG-13-Film nicht so furchtbar deplatziert wären) durch die gegnerischen Reihen wütet.

Die Ideenlosigkeit Bays wird dadurch recht treffend auf den Punkt gebracht, dass Bösewicht Megatron hier bereits zum zweiten Mal wieder zum Leben erweckt, bzw. in anderer Form „wiedergeboren” wird. Und als Schmankerl für mich, der diese Szene bereits im ersten Film unfreiwillig komisch fand, fällt ihm auch hier nach dem Aufwachen nichts Besseres ein, als allen laut mitzuteilen, wie er heißt (In Teil 1: „I… am… Megatron!“, jetzt: „I… am… Galvatron!“). Das Tragische ist, dass der hier erstmalig ins Spiel gebrachte „You think you were born?“-Gedanke eine spannende Richtung für den fünften Teil vorgeben könnte. Diese Thematik fällt schnell wieder unter den Tisch, wird in der letzten Szene aber so deutlich angeteast, dass es fast wieder Hoffnung auf die Fortsetzung weckt. Nachdem ich diese Hoffnung jetzt aber schon mehrfach hatte und mich jedes Mal durch eine fast dreistündige Bestätigung meiner schlimmsten Befürchtungen quälen musste, ist es wohl endgültig an der Zeit, die Hoffnung auf einen guten (=nicht schrecklichen) Transformers-Film aufzugeben.

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