Ein paar Worte zu CALVARY

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Es ist eine triste Welt, in die uns John Michael McDonagh mit Calvary entführt. Karges Grünland, eisige Wellen, ein stechender Wind, der ohne Unterlass an Haaren und Kleidern zerrt. Und gleich zu Anfang ein Ultimatum im Beichtstuhl: Ein dem Publikum unbekannter Mann kündigt Priester James Lavelle an, ihn am Sonntag in einer Woche zu töten, da er als Kind von einem Geistlichen sexuell missbraucht wurde. Sich am längst dahingeschiedenen Täter zu rächen, hätte die Menschen seiner Meinung nach nicht gerührt – aber stattdessen einen guten Priester zu töten käme einem schon lange überfälligen Schock gleich. McDonaghs Intention scheint auf den ersten Blick also relativ simpel: Eine Stellungnahme zu den Missbrauchsfällen der katholischen Kirche, eingefasst in ein bitterböses Krimi-Drama. Dank der malerischen Bilder und dem großartigen Cast mit Präsenzbolzen Brendan Gleeson an der Spitze weiß Calvary auch als genau das zu gefallen, wenngleich die nicht immer vorteilhaft punktierten Humorspitzen und einige Längen verhindern, dass McDonagh an die Qualität seines Regieerstlings The Guard und das seines Bruders In Bruges anknüpft. Und dennoch steckt etwas noch viel Außergewöhnlicheres in Calvary: Ein satirischer Kommentar auf unsere emotionale Resonanz zum aktuellen Weltgeschehen und die finsteren Mächte, die es tagein tagaus vergiften. Ein thematischer Kern, der den Film sperrig geraten lässt, insgeheim aber seine größte Stärke ist.

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