Review: THE HOBBIT: THE BATTLE OF THE FIVE ARMIES

Standard

J.R.R. Tolkiens Sohn Christopher Tolkien bezeichnete Peter Jacksons Mittelerde-Adaptionen einst als „dumme Actionfilme für 15- bis 25-Jährige“ – ein in Hinsicht auf dessen Faible für digitales Kriegsspektakel nicht gänzlich unzutreffendes, aber dennoch unfaires Statement, wo sich der ehemalige Splatter-Regisseur mit der The Lord of the Rings-Trilogie doch nicht nur auf dem Thron des High Fantasy-Kinos verankerte, sondern auch ein meisterhaftes Beispiel in Sachen Romanverfilmung vorlegte. Nach zwei durchwachsenen Prequel-Teilen schickt Jackson sich nun an, Christopher Tolkien auf den letzten Metern seiner langen Reise doch noch zu bestätigen. Die ersten beiden Hobbit-Filme ließen vermuten, dass Jackson sein Mojo verloren hat, The Battle of the Five Armies gibt nun die endgültige Bestätigung. Denn der große Abschied von Mittelerde ist nichts weiter als ein dummer, inhaltsloser Actionfilm.

Eine erschreckende Aussage, aber Jackson, so scheint es, hat im Endspurt jeglichen Elan verloren. Sein Mittelerde-Sextet soll mit einer spektakulären Schlacht gekrönt werden, die diesen dritten Film nach dem feurigen Smaug-Opener komplett einnimmt. Nur hat Jackson hier das erste Mal keinen (Teil des) Roman(s) mehr, an dessen Erzählung er sich orientieren kann – denn im Buch bekommt Bilbo Beutlin zu Beginn der Schlacht einen Stein an den Kopf und ist die ganze Zeit über bewusstlos (für alle, die es nicht wissen: Bilbo Beutlin ist der Protagonist. Also der Hobbit. Der Typ, um den es hier eigentlich geht). Drum hangelt sich Jackson nur noch grob am Handlungsmuster der letzten sieben Kapitel entlang und muss die Schlacht mit all ihren Abläufen und Wendungen selbst inszenieren. Und die wird ganz im Sinne seiner Prequel-Ambitionen mit reichlich schwülstiger Bedeutung aufgeladen.

Da ist plötzlich LotR-Schurke Sauron als Strippenzieher am Werk und die Schlacht der Fünf Heere könnte, sollte sie für die Zwerge, Elben und Menschen nicht siegreich enden, eine Schreckensherrschaft einleiten. Wer es davor noch nicht hat glauben wollen, kriegt es jetzt Schwarz auf Weiß: Ein kleine, unschuldige Abenteuergeschichte wie Der Hobbit ins epische Trilogie-Korsett zu schnüren ist eine furchtbare Idee, weil sie ihren Charme und ihr Konzept ad absurdum führt. Der großartige Martin Freeman hopst unterfordert und verloren zwischen Sets und Greenscreens umher und muss sich mit einem grausamen Comic-Relief-Charakter doch tatsächlich um Leinwandminuten zanken. Von der Leichtherzigkeit der beiden Vorgänger will der Film nie ganz weg, schockt dann aber mit kälteklirrenden Kriegsbildern und reichlich cartoonesker Gewalt. Das Gefühl, dass es bei der ganzen Sache auch wirklich um etwas geht, will sich dabei nie einstellen.

The Battle of the Five Armies lässt kalt, egal wie sehr man mit dem Herzen an Mittelerde und der LotR-Trilogie hängt, denn dem Film fehlt es vollkommen an emotionaler Resonanz – ein Versäumnis, das die beiden Vorgänger zu verschulden haben, sich in denen aber noch nicht als schwerwiegendes Problem abzeichnete. Ja, es ist reichlich schwierig und irgendwie auch unmöglich, allen dreizehn Zwergen  eine eigene Persönlichkeit zu verleihen, vor allem wenn sie sich in der Buchvorlage nur durch die Farbe ihrer Bärte und Gürtel unterscheiden. Jackson und sein Team haben aber bei der Charakterzeichnung und -entwicklung dennoch die falschen Prioritäten gesetzt. Das Schicksal der Zwerge nimmt man hin ohne mit der Wimper zu zucken und die Freundschaft zwischen Bilbo und Thorin ist bis zu ihrer gemeinsamen Schlussszene nichts als bloße Behauptung.

Vor allem aber fühlt sich dieser dritte Hobbit-Film so an, als wäre er nicht rechtzeitig fertig geworden. Ein Umstand, der eigentlich für alle Mittelerde-Filme gilt, wo Peter Jackson und seine Armee aus Effektspezialisten doch immer unter enormem Zeitdruck standen. Aber nie wirkte das Ergebnis unrunder, unfertiger und unschöner als in The Battle of the Five Armies. Schauspieler heben sich sichtbar vom Greenscreen ab, der CGI-Einsatz ist höher und unnötiger als je zuvor, und der Schnitt ist katastrophal, im Falle der Drachenkrankheit-Szenen geradezu stümperhaft. All die erzählerischen, inhaltlichen und inszenatorischen Schwächen der Vorgänger schlagen sich hier mit dreifacher Wirkung nieder, das finale Kapitel ist nur noch ein grässlich missgestalteter Hybrid aus Kinder- und Kriegsfilm. Kurz vor dem großen Leinwandabschied ist Mittelerde plötzlich zu einem kalten Ort geworden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s