Ein paar Worte zu THE IMITATION GAME

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Zu den sanften Klängen von Alexandre Desplats Score wird schließlich der Abspann eingeleitet – ein Ende so versöhnlich und friedvoll, dass es in Anbetracht von Alan Turings tragischem Suizid fast schon heuchlerisch anmutet. Die Natur des Films ist klar: The Imitation Game ist glattes, braves Hollywood-Kino. Frei von Ecken und Kanten, quasi zu 100% Oscar bait. Ein Film, der existiert, um Preise zu gewinnen, nicht weil die Geschichte um den schwulen Mathematiker nach einer erneuten Auflage verlangte.

So berechenbar und durchkalkuliert der Film aber auch sein mag, wir müssen uns die Frage stellen: Ist das überhaupt von Belang? Auch wenn The Imitation Game die Sehnsucht nach der goldenen Trophäe aus jedem Bild quillt, die Narration durch ein ständiges Hin- und Her zerhackstückelt wirkt, und der scheußliche Ausgang dieser wahren Geschichte mit einem zum Ende hin eingeblendeten Satz abgespeist wird, handelt es sich um einen Film mit gewissenhaften Ambitionen und dem raren Talent, diese auch wirksam umzusetzen. Die historischen Ereignisse werden nicht ohne Pathos, aber doch mitreißend in Szene gesetzt, Benedict Cumberbatchs Performance entwickelt sich derweil vom Sherlock-Aufguss zum rührenden Charakterporträt. Der geheimnisvolle Enigma-Code wird enträtselt, sein Enträtsler aber bleibt ein Geheimnis. Eine Gegensätzlichkeit, aus der der Film seine größte Stärke bezieht.

Turings Homosexualität wird dabei offen zum Thema gemacht, aber auch nie völlig unverklemmt behandelt. Den Mut, ihm anstatt Keira Knightley auch tatsächlich einen männlichen Love Interest zur Seite zu stellen, oder die Geschichte gar völlig aus ihrer Perspektive zu erzählen, haben die Macher nicht, aber in so einem Fall ist es völlig in Ordnung, sich mit dem zufrieden zu geben, was man bekommt. Und das ist ein zweifelsohne guter, sehenswerter Film. Der sich aber leider nicht allzu viel traut.

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4 Gedanken zu “Ein paar Worte zu THE IMITATION GAME

  1. Im Drehbuch gab es eine Sterbeszene, die wurde auch gedreht, aber im Schnitt dann herausgenommen, weil sie eher wie ein „Apple commerical“ wirkte.

    Hier weiterführende Infos: http://www.radiotimes.com/news/2014-12-17/benedict-cumberbatch-suicide-scene-cut-from-the-imitation-game
    Wen es interessiert, wie die Szene aussah, kann hier im Originalscript nachlesen: http://twcguilds.com/assets/downloads/ScreenplayTIG.pdf

    Liebe Grüße von Franzi von filmkompass.wordpress.com

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  2. Pingback: Lethal Critics #5 – Baymax, The Imitation Game & John Wick | Noergolas

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