Review: JUPITER ASCENDING

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Den ziemlich uninteressanten Trailern und allen spöttischen Kommentaren meiner Freunde zum Trotz habe ich mich auf Jupiter Ascending gefreut. Logisch lässt sich das nicht wirklich erklären: Ich bin kein großer Fan von Mila Kunis, Channing Tatum oder Eddie Redmayne, der teal-orange-Fetisch des Blockbuster-Kinos geht mir gewaltig auf die Nerven und mit den Wachowski-Geschwistern konnte ich bis auf den ersten Matrix-Film eigentlich nie etwas anfangen. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass mir der Film nicht gefallen hat. Wobei „nicht gefallen“ es nicht ganz trifft: Jupiter Ascending ist vielleicht der schlechteste Film, den die Wachowskis bis jetzt gemacht haben (was ja, irgendwie, auch schon wieder eine Leistung ist). Es gibt Momente, in denen ist er sozusagen ein moderner Battlefield Earth; also ein Film, den Leute in ein paar Jahrzehnten ironisch gucken werden, um sich darüber totzulachen, dass auch nur einer der Beteiligten anscheinend an das Projekt geglaubt hat. Jupiter Ascending ist zu durchgeknallt, zu bunt, zu interessant in seinem katastrophalen Scheitern, als dass er tatsächlich einfach nur ein schlechter Film sein könnte.

In dieser verrückten Space-Opera läuft alles drunter und drüber, die recycelten Plots von Cinderella (der sogar einmal im Film genamedroppt wird) und Matrix kollidieren miteinander, nur dass die Geschlechterrollen jetzt wieder umgekehrt sind und irgendwie alles im Weltraum spielt. Die Wachowskis quetschen jede erdenkliche Idee, jedes Gadget und jeden Plot-Point aus ihrem Fundus in den Film und der platzt trotz seiner stolzen Laufzeit von 127 Minuten aus allen Nähten.

Immer wieder gibt es Momente, in denen wir plötzlich an Orten sind, die wir noch nie zuvor gesehen haben; mit Figuren, deren Namen wir nicht kennen; und sie reden und reden, über Dinge, die wir nicht verstehen. Der Film macht aber nie Anstalten, irgendetwas davon zu erklären, er hat noch nicht einmal den Anstand, irgendeinen bizarren Planeten-Namen und nutzlose Koordinaten einzublenden. Er erschafft ein weitreichendes Universum und behandelt es so, als wäre es längst erschaffen worden, als wüssten wir schon längst, wie es funktioniert und wer es bevölkert. Als wäre Jupiter Ascending Teil einer Reihe, von der es schon reichlich Filme gab. All die bunten Bilderwelten sind nutzlos, denn der Film hetzt nur so durch sie hindurch und gibt weder seiner Geschichte, noch seinen Figuren Zeit zum Atmen. Wobei das fast schon wieder zu nett klingt – die Geschichte ist nur Stückwerk, keine der Figuren mehr als eine vage umrissene Skizze. Der Film weigert sich konsequent, sein Universum über Oberflächenreize hinaus auszuformulieren.

So kommt es, dass der Plot, der generischer eigentlich nicht sein könnte (Jupiter wird von einem Villain zum nächsten weitergereicht und darf ein paar unterschiedliche Kleider tragen), sich unnötig zu verkomplizieren beginnt und an den falschen Stellen den Erklärbär raushängen lässt. Wenn nicht gerade eine der rasanten, unübersichtlichen Actionszenen läuft, verliert sich der Film in endlos langen Dialogen, die nicht nur schmerzhaft uninteressant, sondern zum Teil auch unfreiwillig komisch sind. Fairerweise muss man sagen, dass das nicht nur am Drehbuch der Wachowskis, sondern auch an den Darstellern liegt. Während sich Channing Tatum und Sean Bean noch halbwegs wacker schlagen, gibt es gleich in doppelter Hinsicht einen Totalausfall.

Mila Kunis spielt Justus Jonas Jupiter Jones und sie ist fürchterlich. Ihre moderne Space-Cinderella ist hölzern, unglaubwürdig und nicht wirklich sympathisch (sie verbringt den halben Film damit, irgendwo schreiend herunterzufallen, um von Magic Mike gerettet zu werden). Erst im Finale fängt sie an, selbstständig Entscheidungen zu treffen, aber das macht die anderthalb Stunden damsel-in-distress-Gekreische leider nicht mehr rückgängig. Kunis ist also ziemlich schlecht… sie ist aber nicht Eddie Redmayne. Sie ist nicht Eddie fucking Redmayne. Als Obervillain liefert der frischgebackene Oscar-Preisträger eine Jahrhundertleistung des Nichtkönnens; eine Darbietung so lächerlich schlecht, dass man nur noch befreiend darüber lachen kann. Er spricht mit Flüsterstimme, bekommt aus dem Nichts Schreianfälle und hält Monologe, die ihn immer wieder selbst zu Tränen rühren. Dabei verleiht er seiner Figur eine majestätisch-elitäre Präsenz, hinter der man vielleicht noch die Idee erkennt, die deswegen aber nicht weniger kläglich in die Hose geht. Wenn der Film in zehn Jahren ironisch geguckt wird, dann wird Redmayne das Highlight sein, er wird die größten Lacher und den lautesten Szenenapplaus ernten. Jupiter Ascending wird auf ewig der Film sein, der nur wenige Wochen nach Eddie Redmaynes Oscargewinn in den Kinos startete. Oh, the irony.

Mit seinen Naboo-lookalike-Planeten, endlosen politischen Debatten und dem Lava-haltigen Finale, fühlt sich Jupiter Ascending tatsächlich wie ein verschollenes Star Wars-Prequel an, oder zumindest wie ein Film, der George Lucas‘ Vision von gutem Filmemachen am nächsten kommt. Ja, es stecken tolle Ideen in diesem Film, nur sich entfalten und zusammenfinden wollen sie nicht. Was nützt mir ein witziger Bürokratie-Seitenhieb, der auf den Spuren des Passierschein A38 wandelt, wenn er komplett aus der Reihe fällt, nur im Film ist, weil die Wachowskis wahrscheinlich die Idee lustig fanden und ein Terry Gilliam-Cameo einbauen wollten. Die Szene ist nicht im Film, weil sie den Plot voranbringt, sondern weil sie „halt irgendwie witzig“ ist, weil den Wachowskis spaßiges Herumexperimentieren wichtiger ist, als einen kohärenten Film abzuliefern (oder überhaupt einen… Film). Spaß ist im serösen Post-Dark-Knight-Blockbuster-Kino ja selten geworden und ich gebe dem Film gerne Credit dafür, dass er sich nicht zu wichtig nimmt – aber zu einem guten Film macht ihn das leider trotzdem nicht.

Was bleibt? Hübsche Bilder, ein paar coole Gadgets und der schöne Score von Michael Giacchino. Jupiter Ascending ist letztendlich kein Film, den man wirklich hassen kann. Er ist bunter, alberner Quatsch, der aufgrund seiner unfreiwilligen Komik durchaus das Potential zum Kultfilm hat. Und wenn das irgendwann passiert, kann ich immerhin mit Stolz sagen, dafür einst im Kino gewesen zu sein.

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Ein Gedanke zu “Review: JUPITER ASCENDING

  1. Pingback: Lethal Critics #6 – Jupiter Ascending, The Interview, Foxcatcher & Inherent Vice | Noergolas

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