Ein paar Worte zu INTO THE WOODS

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In vielen Belangen ist Into the Woods genau der Film, auf den ich mich schon seit längerer Zeit gefreut habe. Dass die von Stephen Sondheim komponierten Songs phänomenal sind, war von Beginn an klar, dass aber ausgerechnet Rob Marshalls Inszenierung, die im Voraus Grund zur Sorge aufgab, den Film zu so einem besonderen Erlebnis macht, hätte ich wirklich nicht gedacht. Die steifen Sets, die opulenten Kostüme, die ausladenden Gesten – alles orientiert sich so stark an der Broadway-Vorlage, dass Into the Woods den Geist der Bühnenperformance nahezu perfekt auf die große Leinwand überträgt.

Anstatt gewisse Aspekte für eine filmische Adaption anzupassen, bleibt Marshall dem theatralischen Stil treu. Johnny Depp etwa tritt mit Wolfsmantel und angeklebten Schnurrhaaren auf (und wird von Rotkäppchen sogar wie ein Wolf behandelt), anstatt z.B. einem großen CGI-Tier seine Stimme zu leihen. Viele Schauplätze sehen verdächtig nach arrangierten Sets aus und immer wenn sich große money shots anböten – das Land am anderen Ende der Bohnenranke, der Riese – macht Marshall nur Andeutungen, anstatt in protzige Bilderwelten abzudriften.

Dem „Dann kann ich ja gleich ins Theater gehen“-Argument muss sich Into the Woods dementsprechend stellen, und auch wenn es dagegen keine wirkliche Verteidigung gibt, ist es doch der Hauptaspekt, aus dem der Film seinen Reiz bezieht – gerade weil hier nicht einfach nur stur Theater-Mechanismen fürs Kino übernommen werden, sondern sehr kreativ und zum Teil sogar selbstironisch damit umgegangen wird.

So geben sich dann auch alle Darsteller herrlich over the top und in kindlicher Spielfreude. Meryl Streep chargiert mit Mut zur Hässlichkeit als böse Hexe, Chris Pine gibt als Prince Charming seine bisher beste William-Shatner-Imitation und Johnny Depp macht als latent pädophiler Wolf endlich mal wieder richtig Spaß (in dem Sinne, dass man sich nach fünf Minuten Leinwandzeit nicht wünscht, er würde seine Schauspielkarriere doch bitte endlich an den Nagel hängen). Die Songs drehen sich um alle möglichen Moralvorstellungen, können aber auch – wie etwa im Falle von Chris Pines und Billy Magnussens „Agony“ – einfach nur Spaß machen.

Wo also hat der Film seine Probleme? Ich würde sagen, es beginnt ungefähr nach den ersten zwei Dritteln. Der dort angedeutete „happily ever after“-Schluss wird ironisch gebrochen und aus Into the Woods wird mit einem Male ein gänzlich anderer Film.

Aber nicht nur wabert ab da Nebel über die Böden jeglicher Sets, seinen Humor, seinen Charme, ja seine Magie scheint der Film vollkommen verloren zu haben. Die Songs sind weniger eingängig, der/die Plot(s) im Grunde auserzählt. In diesen 30-40 Minuten scheint alles und jeder nur noch durch den Wald zu irren, Charaktere aus unterschiedlichen Märchen stolpern einander in die Arme und reißen neue Konflikte an, die die sowieso schon wirre Handlung immer weiter in die Länge ziehen. Und so wird jede verstreichende Minute immer mehr zur Qual, bis man schließlich hofft, das zwei sich gegenüberstehende Charaktere doch bitte nicht gleich anfangen zu singen.

Was als charmanter, selbstironischer Märchen-Clash beginnt, endet als bitterer Abgesang auf die Grimm’schen Konventionen. Eine Wendung, die nicht per se verwerflich ist, aber so wenig mit der ersten Hälfte des Films harmoniert und so schwach inszeniert ist, dass Into the Woods am Ende ganz knapp an einem wirklich guten Film vorbeirauscht.

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Ein Gedanke zu “Ein paar Worte zu INTO THE WOODS

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