Franchise-Review: MISSION: IMPOSSIBLE

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Mission: Impossible (US 1996, Brian De Palma)

Die M:I-Filme sind in der Hinsicht faszinierend, dass jeder der vier (bald hoffentlich fünf) Regisseure es geschafft hat, seinen ganz persönlichen Daumenabdruck auf dem Franchise zu hinterlassen und den jeweiligen Film unverkennbar als (s)ein eigenständiges Werk zu kennzeichnen. Das mag nicht immer gut gegangen sein, bei Brian De Palma war der Erfolg aber quasi vorprogrammiert, enthält das Drehbuch von David Koepp doch so viele thematische Bezüge zu seiner sonstigen Filmographie. Mission: Impossible ist ein Film der Schatten und Wendungen, Masken und Doppelgänger, Tricks und Täuschungen. Ein klassischer und doch größenwahnsinniger Spionage-Thriller, der mit einem herausragend inszenierten Spannungsmoment im zweiten Akt Filmgeschichte schrieb, den Klassikerstatus aufgrund seines albernen Effektspektakels im Finale aber knapp verfehlt.

Mission: Impossible II (US 2000, John Woo)

Der Hass, der M:I-II entgegenschlägt, ist definitiv berechtigt. Mit all seinen Zeitlupen, seinem Taubengeflatter und dem zuckrigen Zimmer-Pomp, der jede Actionszene unerbittlich mit Pathos zukleistert, ist diese zweite Mission ein Fehlschlag unmöglichen Ausmaßes und ohne Zweifel der bisherige Franchise-Tiefpunkt. Dennoch: Alberne Filme, wie es die M:I-Teile dank ihres Gadget- und Maskenirrsinns immer sind, die sich selbst viel zu ernst nehmen, entwickeln ja bekanntlich gerne einen Hang zur unfreiwilligen Komik. Wem das Franchise also nicht allzu sehr am Herzen liegt, der dürfte spätestens beim Finale sehr befreiend und herzhaft lachen können.

Mission: Impossible III (US 2006, J. J. Abrams)

Beinahe alles an diesem Film ist durchschnittlich. Eigentlich könnte ich mir auch jegliches Geschreibsel sparen, denn ein einfaches “meh” bringt meine Eindrücke genau so treffend auf den Punkt. Die Actionszenen sind ganz im Stil von J. J. Abrams verwackelt und lichtdurchflutet, hinterlassen also keinen bleibenden Eindruck. Roberto Orci und Alex Kurtzman, das Duo Infernale der hirnamputierten Blockbuster-Schreibe, zimmern einen Plot zusammen, der gänzlich über einen MacGuffin funktioniert und am Ende ironisch mit den eigenen Konventionen spielen will, dabei aber kläglich versagt. Tom Cruise spielt Tom Cruise. Alles davon bedient den Hollywood-Standard, nichts davon bleibt im Kopf. Abgesehen von Philip Seymour Hoffman. Der Oscar-Preisträger bekommt zwar nicht viele Möglichkeiten, sein Talent unter Beweis zu stellen, aber die wenigen Szenen reichen ihm, um sich mit furchteinflößender Präsenz an die Spitze der M:I-Bösewichte zu schießen.

Mission: Impossible – Ghost Protocol (US 2011, Brad Bird)

Das erste M:I-Sequel, das seine Zahl nicht im Titel trägt – und auch ansonsten wie ein Neustart für das auf Abwegen herumirrende Franchise wirkt. Pixar-Mastermind Brad Bird erzählt in Ghost Protocol zuweilen fast schon ein bisschen zu kompliziert (letztendlich will der Schurke ja doch wieder nur einen Atomkrieg anzetteln, what’s all the fuss about?), die CGI sehen nicht immer optimal aus und die kitschigen Endminuten hinterlassen einen unangenehm süßlichen Nachgeschmack – davon abgesehen ist dieser vierte Teil aber tatsächlich so gut, wie überall zu hören ist. Mit viel Humor, cleveren Spannungsszenarien, schweißtreibender Action und einigen leisen Charaktermomenten führt Bird die Reihe wieder in die qualitativen Sphären ihres einstigen Beginns zurück – und begegnet Brian De Palma am Ende auf Augenhöhe. Schön.

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