Franchise-Review: PIRATES OF THE CARIBBEAN

Standard

Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl (US 2003, Gore Verbinski)

Noch lange bevor die Kunst dem Kommerz erlag und der Wohlklang von Pirates of the Caribbean im Niemalsland verhallte, gab es The Curse of the Black Pearl. Ein Umstand, den viele mittlerweile vergessen oder im Zuge des sich entwickelten Nervpotentials verdrängt haben. Fantasy, Action, Abenteuer, Horror und Romantik, all jene klassischen Zutaten addieren sich hier nämlich zu einer höchst vergnüglichen Piratenmär, die Gore Verbinski angenehm bodenständig und doch alles andere als bieder in Szene setzt. Piraten dürfen schön räudig sein, morden und metzeln nach Belieben, bis das Holzbein geschwungen wird und das faulzahnige Grinsen von einem Ohr zum anderen reicht. Ebenfalls noch frisch und spaßig beim tuntigen Herumtorkeln zu beobachten: Johnny Depp in seiner Paraderolle als Captain Jack Sparrow, eine Darbietung, die noch voller Leben und energiegeladener Spielfreude steckt. Das hieraus entstandene Franchise mag einen langen Schatten auf diesen Umstand werfen, aber The Curse of the Black Pearl ist feinstes Blockbuster-Kino.

Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest (US 2006, Gore Verbinski)

Statt rauer Seeluft und fauligem Piratenatem riecht Dead Man’s Chest übel nach Studiomief, nach grünen Wänden und blauen Anzügen, nach Geld und Größenwahn. Diese back to back mit dem nächsten Teil geschossene Fortführung der Sparrow’schen Abenteuerfahrten ist die erste Hälfte eines viel größeren Films, der sich problemlos von sechs auf zwei Stunden hätte kürzen lassen. Scheinbar ziellos werden die uns bekannten Figuren durch eine völlig inkohärenten Plot gescheucht – da werden Konflikte angerissen und Charaktere eingeführt, dass der rote Faden sich selbst ob seiner Untätigkeit aufzuräufeln beginnt. CGI ersetzt den praktischen Effekt, das handgemachte Säbelrasseln weicht digitaler Stuntarbeit und allerlei rollendem Gerät, von Knochenkäfigen bis hin zu Windmühlenrädern. Durch das erhöhte Budget scheint Verbinski vollends der Hyperkinetik verfallen zu sein. Wenn der Film nach schier unzähligen Stunden irgendwo im Nichts endet und all die losen Fäden gierig nach seiner zweiten Hälfte ausstreckt (denn mehr als das ist At World’s End nicht), dann wird einem klar, dass Dead Man’s Chest weniger ein Film als mehr eine Wildwasserbahnfahrt ist. Ugh.

Pirates of the Caribbean: At World’s End (US 2007, Gore Verbinski)

Die dritte Runde Rummelplatz-Kino beginnt ähnlich nervtötend wie ihr Vorgänger, bekommt aber mit Treffen der Piratenfürsten etwas Wind in die Segel und steuert dann auf ein gigantisches Finale zu, das sich irgendwo zwischen totaler CGI-Eskalation und dem urig-rauen Seeräubercharme des ersten Teils bewegt. Es ist bis heute rätselhaft, dass diese (leider oft spürbaren) 162 Minuten einfach durchgewunken wurden, wo man doch eher vermutet, dass sämtlichen Studiobossen bei all den Blutfontänen, aufgeschlitzten Körpern und erhängten Kindern das Monokel in den Fünf-Uhr-Tee gefallen sein müsste. Brutaler und düsterer ging es in einem Disney-Film nie zu; dies ist ein waschechter R-Rated-Film, der zu kommerziellen Zwecken ins PG-13-Korsett geschnürt wurde. Und auch abgesehen vom unnatürlichen Härtegrad wirkt Verbinski wie von der Leine gelassen – die Verkomplizierung der Geschichte erreicht ihren Höhepunkt, die surreale Zwischenwelt-Sequenz pendelt sich irgendwo zwischen grausam und genial ein. Aber beinahe alles scheint vergessen, wenn im Finale die Flaggen gehisst und inmitten eines Malstroms das finstere Finale ausgefochten wird. Diese brillant inszenierte, fast halbstündige Actionsequenz ist so scheiße geil, dass es einen fast aus dem Sitz reißt. Und am Ende? Da läuft es doch wieder nur auf einen einzigen Piraten hinaus. Alleine auf hoher See, das Abenteuer begrüßend. Genau dort findet Pirates of the Caribbean wieder zu sich selbst und spannt doch noch einen alle drei Filme übergreifenden Bogen. At World’s End ist ein bescheuerter, ein irrer Film. Aber das im besten Sinne.

Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides (US 2011, Rob Marshall)

Fast hofft man, dass Jack Sparrow im Zuge der letzten Szene von At World’s End wieder nach Port Royal segelt und so in einen Loop gerät, quasi dazu verdammt ist, dieselbe Geschichte immer und immer wieder zu durchleben. Aber dem ist nicht so, On Stranger Tides liefert den Gegenbeweis. Vor allem aber liefert er die endgültige Bestätigung, dass in das Pirates-Franchise schon vor langer Zeit jemand mit der Nadel gestochen hat. Die Luft ist raus, aus Setting, Figuren und scheinbar auch sämtlichen Schauspielern, die mit ihren angeklebten Bärten durch Sets und Schiffsrümpfe schlafwandeln, scheinbar auf der Suche nach dem Wohnwagen, in dem sie beides endlich wieder loswerden. Nichts an On Stranger Tides ist halbwegs originell, nichts ist spannend, aufregend, lustig, überraschend oder auch nur im entferntesten Sinne interessant. Dieser Film ist so belanglos, dass er im Grunde keine Daseinsberechtigung hat. Mit dem Look eines überdurchschnittlichen Fernsehfilms, dem kein Funken Kino-Esprit innewohnt, und dem Drehbuch zweier Autoren, die nichts mehr mit ihrer eigens erschaffenen Welt anzufangen wissen, markiert dieser Film zweifellos den bisherigen Höhe-, beziehungsweise Tiefpunkt der karibischen Ausschlachtung.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s