Monatsrückblick: März 2017

Standard

Etwas weniger prall gefüllter Monat für mich, wegen Uni-Zeugs sogar mit einer 8-tägigen Pause vom Filmeschauen. Trotzdem immerhin mit einer sehr umfangreichen Retrospektive, zwei PTA’s und einem Kubrick im Kino. Es gab also schon schlimmere Zeiten. // Gerade bemerkt: Ich habe diesen Monat anscheinend sogar einen Film mehr gesehen als letzten. Uff. Vom Gefühl her mindestens zehn weniger.


Magical History Tour (Arsenal):

Holy Motors (FR 2012, Léos Carax)

Ein Film über Identität, ein Film über Film, ein Film über den besten Akkordeonspieler der Welt (period). Still und heimlich zieht Léos Carax das Regelwerk seiner Geschichte immer wieder neu auf, was unter anderem die schönste Musical-Liebeserklärung seit Magnolia zur Folge hat. Warum mir der Film trotzdem bis zum Schluss irgendwie fremd geblieben ist, weiß ich leider nicht. Vielleicht habe ich auch nur den Song Come With Me Now von KONGOS vermisst, der mich den Trailer mehrere hundert Male schauen ließ. in 35mm

Barry Lyndon (GB 1975, Stanley Kubrick)

Üppiges Ausstattungskino zwischen Komödie und Tragödie, das die Emotionen seiner Geschichte weniger als Vorteil denn als Notwendigkeit begreift. Kubrick ist ein herausragender Regisseur, aber kein gefühlvoller Geschichtenerzähler. Irgendwo mochte ich den Film durchaus; die ausladenenen Bilder, die pompöse Musik, den epischen Erzählgestus, aber es ließ mich alles leider schrecklich kalt. Highlight war tatsächlich die wunderschöne Intermission. in 35mm

Pressevorführung:

Beauty and the Beast (US 2017, Bill Condon)

Ein Live-Action-Remake, das sklavisch an seinem Original hängt. Harmlose Langeweile, konzipiert für nostalgische Disney-Fans. Zur Kritik auf Lethal Critics / Zum Letterboxd-Review

Kino (regulär):

Certain Women (US 2016, Kelly Reichardt)

Die körnigen, schier unendlichen Landschaftsgemälde dieses tristen Weltentwurfs allein machen diesen Film wahrscheinlich schon zu einem Meisterwerk. Aber wie hochsensibel sich Kelly Reichardt ihren vier Frauenfiguren annähert und in deren langen Sehnsuchtsblicken den Schmerz der Einsamkeit und dann doch wieder Hoffnung findet, sucht im gegenwärtigen Kino seinesgleichen. Der ergreifendste, aufrichtigste, sinnlichste und schmerzhafteste Film des Jahres, sage ich jetzt einfach schon mal.

Little Men (GR/US 2016, Ira Sachs)

Durchaus schön, wie aufrichtig die Freundschaft dieser zwei Jungs ist. Leider ist der Film um sie herum wenig interessant. Die im Trailer vorweggenommene Konfliktsituation lässt dem spröden Alltagsrealismus wegen viel dramatisches Potential liegen und übt sich lieber in schon tausendfach ausbuchstabierter Familienversöhnung. Immerhin wurde ich daran erinnert, dass Greg Kinnear einer von den Guten ist.

Evil Dead [Tanz der Teufel] (US 1981, Sam Raimi)

Immer noch ein wirklich schöner Film.

Starship Troopers (US 1997, Paul Verhoeven)

Wenig subtile, aber deswegen auch vergnügliche Satire, die sich dem Sujet, das sie zu satirisieren vorgibt, im großen Finale schließlich ergibt. Dann möchte Starship Troopers als faschistischer Action-Blockbuster verstanden und bejubelt werden. Leider. in 35mm

Daheim:

The Impossible (ES/US 2012, J.A. Bayona)

Massensterben zum Mitfiebern und krachende Tsunami-Action in sexy Hochglanzbildern. Die totale Elendspornographie, eine widerlich manipulative Hollywood-Schmonzette mit scheinheilig-humanistischem Anstrich und geschmacklosen Spannungstricks. Die Darsteller leisten aber Herausragendes.

Punch-Drunk Love (US 2002, Paul Thomas Anderson)

Tieftraurig und hochromantisch. Ein kurzes Meisterwerk über die Liebe.

The Matrix Reloaded (US 2003, Lilly & Lana Wachowski)

Eine Fortsetzung, die nur noch Extremen kennt. Wenn nicht gerade geschwatzt wird, wird gekämpft und wenn nicht gerade gekämpft wird, wird geschwatzt. Die Wachowskis meinen es gut, aber denken in zu großen Dimensionen. Sie möchten tiefer gehen, stapeln dabei aber zu hoch. Die Actionszenen sind kinetisch, aber der digitale Größenwahn ersetzt die geerdete Physis des ersten Teils. Und für wie genial ich den Schlusstwist auch halten mag, er ruiniert rückwirkend den so wunderbar für sich stehenden Vorgänger. Enttäuschend.

The Matrix Revolutions (US 2003, Lilly & Lana Wachowski)

Die Wachowskis ziehen ihr großes Finale, das weniger eigenständiger Film als nur Nachklapp für den Vorgänger ist, als monumentale Materialschlacht auf, die ihren philosophischen Anstrich zugunsten von Unmengen an Zerstörungswut und mythologisch aufgeladenen Bilderwelten hinten anstellt. Substanz weicht imposanten, aber ultimativ hohlen Gesten, die den Rahmen bilden für ein unbefriedigendes Fertigerzählen dieser einst so brillant begonnenen Geschichte. Die Effekte sind kaum einen Tag gealtert, dafür tun die Dialoge noch genau so weh. Enttäuschung Reloaded.

Death Race (US 2008, Paul W. S. Anderson)

Stumpfsinniger und sadistischer Scheißdreck mit homophoben Dialogen und spektakulärer Stuntarbeit, die in den verschnittenen Actionszenen und der endlosen Wackelei aber zu großen Teilen verloren geht. Für Macho-Arschlöcher und solche die es werden wollen.

Boogie Nights (US 1997, Paul Thomas Anderson)

Paul Thomas Andersons großer Scorsese-Referenzfilm. Ein Epos, das von Aufstieg und Fall, Drogen und Gewalt, Männern und Frauen, Sex und Prüderie, und den Menschen mehrerer Generationen erzählt. Und von Mark Wahlbergs riesigem Penis. Ein absolutes Meisterwerk.

Love Actually [Tatsächlich… Liebe] (GB 2003, Richard Curtis)

Unverschämt kitschig, im guten wie im schlechten Sinne. Eigentlich kommt es hier nur auf die Geschichte an, die gerade erzählt wird. In einigen geht es emotional und aufrichtig, in anderen verlogen und peinlich, und in manchen schmalzig und zauberhaft zu. Immerhin eine größere Bandbreite, als ich dem Film zugetraut hätte. Die größten national treasures: Emma Thompson, Hugh Grant, Laura Linney, Billy Nighy, Alan Rickman, Martin Freeman.

Capote (US 2005, Bennett Miller)

Am Anfang ganz schön böse erschrocken, dieses unangenehm ausgestellten und verkrampft bemühten Schauspiels von Philip Seymour Hoffman wegen. Aber dann nimmt der Film seinen Lauf und Hoffman setzt neben schrillem Gestus auch viel Augenmerk auf behutsames, emotionales Spiel. Langsam aber sicher verschwindet der eitle Schauspieler hinter der ungemein faszinierenden Figur, an die er seinen Körper verleiht. Eine große, zurecht mit dem Oscar ausgezeichnete Kunst. Nicht zu vergessen, dass Bennett Millers trister, empathischer Film um ihn herum absolut fantastisch ist.

xXx (CZ/US 2002, Rob Cohen)

Ganz klar: Nicht Indiana Jones, sondern Xander Cage ist die amerikanische Antwort auf James Bond. Ein großer, himmelschreiend bekloppter Spaß. Ich weiß noch nicht, ob der Film so gut funktioniert, weil er sich so wenig oder so sehr ernst nimmt. Ist aber auch egal. Welcome to the Xander Zone!

Panic Room (US 2002, David Fincher)

Sehr schön, wie die Opening Credits wie riesige Gebäudekomplexe erscheinen, als würden sie Titel und Thema des Films höhnisch entgegenwirken. Später im Haus setzt Fincher zwischen dem kleinen Handlungsraum und der absolut bewegungsfreien Kamera ebenfalls schöne Kontraste, auch wenn die digitalen Spirenzchen mehr als einmal zum Selbstzweck verkommen. Eine böse, kleine Fingerübung und ein mehr als solide inszenierter Thriller.

Retrospektive: Aliens & Predators

Alien (US 1979, Ridley Scott)

Immer wieder erstaunlich, wie quälend langsam sich dieser Film voranbewegt und jeden Handgriff seiner Figuren genauestens beobachtet. Das Ergebnis ist eine im Science-Fiction-Kino unerreicht dichte Atmosphäre und ein unerträglicher Grusel, der in Form des Aliens durch jeden dieser stillen Raumschiffkorridore kraucht. Jerry Goldsmith erledigt den Rest.

Aliens (US 1986, James Cameron)

Cameron vertrasht das Original, in dem er aus der gleichen Prämisse einen Action-Blockbuster fertigt. Große Wummen und markige Sprüchen ersetzen den stillen Grusel und die dichte Atmosphäre, es wird dem Militarismus gefrönt und beim Finale mit der Alien-Königin hängt die Kinnlade dann doch wieder bis zum Boden. Was soll man machen, der Cameron, der kann’s halt leider.

Alien³ (US 1992, David Fincher)

Aus den Bildern spricht Finchers visueller Perfektionismus und aus den Story-Entscheidungen sein Nihilismus. Ein guter Film, der keine Kompromisse macht. Und die Leidensgeschichte seiner Heldin sinnvoll und würdig beendet. Daran kann auch das scheußliche Photoshop-Alien nichts mehr ändern. 

Alien: Resurrection (US 1997, Jean-Pierre Jeunet)

Die degoutante Inszenierung gefällt, abgesehen davon ist dieser Nachklapp aber grässlich misslungen. Dass von Joss Whedons Dialogen im Film irgendetwas übrig geblieben ist, weigere ich mich zu glauben, denn sonst würde ich nicht jeder Figur innigst einen Facehugger ins Gesicht wünschen. Mit Ripleys Opfertod hätte die Franchise-Verwurstung ihr Ende nehmen müssen.

Predator (US 1987, John McTiernan)

Ein stumpfsinniger Kriegsfilm mit wüstem Geballer und Arnie-Ironie. Bis die Truppe grimmiger Soldaten plötzlich einer Gefahr in die Augen sieht, der sich mit Muskeln, Munition und Maskulinität nicht mehr beikommen lässt. Das Finale ist gewaltig, der Film insgesamt ganz nett.

Predator 2 (US 1990, Stephen Hopkins)

Aus dem tropischen Dschungel in den der Großstadt. Atmosphärisch weniger dichtes, aber im höchsten Maße vergnügliches Sequel mit tollen Set-Pieces und satirischen Untertönen. Danny Glover ist ’ne geile Sau und steht Arnie in nichts nach. Das tut diese unter Wert verkaufte Fortsetzung ihrem Vorgänger übrigens auch nicht.

Predators (US 2010, Nimród Antal)

Spannende Prämisse, mäßige Umsetzung. Adrien Brody im Grummelmodus ist leider nur albern, dafür dürfen die Predators selbst wieder glänzen.

Alien vs Predator (CZ/PL/US 2004, Paul W. S. Anderson)

Trash, dessen Ausgangsidee zu gut ist, als dass man sie im Trash verkommen sehen möchte. Zum Glück hält sich PWSA mit seinem „vulgar auteurism“ hier noch zurück, weswegen der Film nur egal-anschaubar gerät. Gibt Schlimmeres.

Aliens vs Predator: Requiem (US 2007, Colin & Greg Strause)

… zum Beispiel den hier. Billigst produzierter Mist, in dem es nichts zu sehen gibt (auch wortwörtlich, so scheiße dunkel ist es die ganze Zeit). Ripley didn’t die for this. Bonuspunkt gibt es aber für diese Szene.

Prometheus (GB/US 2012, Ridley Scott)

Da können die Lindelof-Jünger noch so viel von den elementaren Fragen faseln, denen der Film anscheinend auf der Spur ist, das Drehbuch ist und bleibt grottenschlecht. Alle Prequel-Versprechen verpuffen zugunsten von philosophischen Kalendersprüchen und egaler Action. Antworten gibt es dann mit dem Kinokartenkauf zur Fortsetzung, versprochen!

Zum Monatsrückblick auf Moviebreak

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s