Monatsrückblick: Juni 2017

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Mit ganzen 40 Filmen habe ich bis jetzt in keinem Monat des Jahres so viel geschaut wie im zurückliegenden Juni. Was für ein Rausch! Ich habe nicht nur zwei Lieblingsfilme erstmalig im Kino sehen können, sondern auch zuhause einiges geschafft – unter anderem eine komplette Michael-Bay-Werkschau (ohne den neuen Transformers, duh) und alle alten Planet-der-Affen-Filme. Letztere habe ich schon mehrere Jahre vor mir hergeschoben, von daher gehe ich ziemlich selbstzufrieden in den Juli. Dass der wieder so voll wird bezweifle ich, aber zumindest warten gleich zu Beginn spannende Pressevorführungen und wegen des Arsenal-Programms ist mein Kalender auch von oben bis unten vollgekritzelt.


Magical History Tour (Arsenal):

Moulin Rouge (US 2001, Baz Luhrmann)

Den mit einem Publikum zu sehen war nochmal eine völlig andere Erfahrung. Hinterher taten mir die Wangen weh, weil ich so viel blöde gegrinst und gelacht habe. Nichts macht mich so glücklich wie die absolute Ekstase dieses Films, und alle diese singenden und tanzenden Menschen in ihm.

Taxi Driver (US 1976, Martin Scorsese)

Eine pessimistische Großstadtsinfonie, in der der einzige Weg zur Besserung nur noch über Gewalt beschritten werden kann – ob dabei der zukünftige US-Präsident oder schmierige Zuhälter sterben ist ganz egal. Mein Highlight war definitiv der halluzinative Epilog und diese absolut verunsichernde Überleitung in den Abspann.

Pressevorführung:

Baby Driver (US/GB 2017, Edgar Wright)

Wird noch ein bisschen dauern, bis ich mich traue öffentlich zuzugeben, den nicht so dolle gefunden zu haben. Ich liebe so gut wie alles von Edgar Wright, aber mit Baby Driver habe ich mich schwer getan. Mir fehlten Witz und Wortakrobatik im Drehbuch, Virtuosität in der Inszenierung und Romantik in der Romanze. Von ein paar wirklich ikonischen Szenen abgesehen ist es eben doch nur ein recht konventioneller Gangster-Ulk und für Wright-Verhältnisse damit eine Enttäuschung. Zur Kritik auf Lethal Critics

Kino (regulär):

Alien (US 1979, Ridley Scott)

Geschichten aus dem Kinosaal: Direkt nachdem die explodierende Nostromo ihre zweite Druckwelle aussendet, ist der Projektor ausgefallen und es herrschte für ein paar Sekunden tiefschwarze Dunkelheit. Als wäre die letzte halbe Stunde des Films nicht schon intensiv genug (womöglich das intensivste Erlebnis, das ich je im Kino hatte), wurde eine seiner aufregendsten Inszenierungsstrategien von diesem technischen Fauxpas (unfreiwillig) erweitert. Durch das Windspielgeklimper wurde das Innere des filmischen Raums zuvor geöffnet und der Zuschauer in das Raumschiff hineinversetzt, nun aber schien sich der Film in den safe space Zuschauerraum auszudehnen. Das Ergebnis: vollkommene Immersion, nach innen wie außen. Unglaublich. Kinofassung / in 35mm

Song to Song (US 2017, Terrence Malick)

Alles, was es zu erhoffen gab. Ein Reigen schwereloser Bilder, in denen die Figuren einmal mehr umherschweifen, dieses Mal nicht auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, sondern auf der Suche nach Gnade, nach Erlösung, nach Liebe. Wenn Gosling und Mara diese am Ende finden (oder auch nicht?), versinkt die Leinwand für einen Augenblick so innig in liebevoller Zuneigung wie die beiden in ihrer Umarmung – und La La Land erbleicht vor Neid.

Wonder Woman (US 2017, Patty Jenkins)

Matschgraue Bilder, übel getrickste Zeitlupenkämpfe, ein bisschen Wimpernflattern und am Ende die obligatorische Materialschlacht. Nichts erscheint mir uninteressanter, als die DC-Filme danach zu beurteilen, wie heldenhaft ihre Helden sind, aber anscheinend ist das ja gerade voll im Trend.  Die Schauspieler/-innen werfen sich rein (David Thewlis!), aber gegen die konturlose Regie (und den zuweilen grausamen Schnitt) kommen sie nicht an. Der erste und letzte Superheldenfilm, für den ich dieses Jahr Geld bezahlt habe.

Daheim:

Harsh Times (US 2005, David Ayer)

Habe jetzt alle Filme von David Ayer gesehen, aber noch keinen einzigen von François Truffaut, Federico Fellini und Dario Argento. Geil. Auch Harsh Times hätte ich gerne gehasst, aber das Ende hat mich dann entgegen aller Bemühungen doch mitgenommen. Ist aber nicht weiter schlimm, alles davor ist nämlich ganz schön beschissener Bro-Blödsinn, in dem Christian Bale abwechselnd total intensiv flüstern und total intensiv rumschreien darf. Also alles beim Alten.

The Great Wall (US/CN 2016, Yimou Zhang)

Zehn Punkte für Matt Damons Akzent, der so irritierend ist, dass er quasi zu einer eigenen Figur in diesem Film wird (und zur interessantesten noch dazu). Der Film ist schön bunt und schön doof, mit ein paar aufregenden visuellen Ideen, aber jedes Mal wenn irgendjemand den Mund aufmacht, schläft man umgehend ein. Ein Rückfahrticket für Yimou Zhang aus Hollywood bitte.

The Prestige (US 2006, Christopher Nolan)

Toller Film, immer noch. Wie gerne würde ich meine Erinnerungen löschen, um herauszufinden, ob ich den eigentlich so offensichtlichen Twist jetzt voraussehen würde. Am meisten gefällt mir, was für eine assoziative Erzählqualität Nolan hier erreicht. Durch den Einsatz von Off-Kommentaren und immer wiederkehrenden Einstellungen erscheint der Film zunehmend wie das fiebrige Konstrukt vieler loser Gedankensplitter, die am Ende natürlich alle zusammenfinden und ineinandergreifen. Hugh Jackman war vielleicht nie besser als hier.

xXx: Return of Xander Cage (US 2017, D.J. Caruso)

Ein Schlock-Meisterwerk, das seine Selbstironie verinnerlicht hat, anstatt alle paar Minuten mit einem Augenzwinkern in die Kamera darauf aufmerksam machen zu müssen. Donnie Yen ist so cool.

The Silence of the Lambs (US 1991, Jonathan Demme)

Gut, aber konventionell inszenierter Thriller, der seine Figuren arg durchpsychologisiert und ihnen damit einen großen Teil ihrer Faszination nimmt. Die Lecter- und Buffallo-Bill-Handlungsstränge sind einander zudem seltsam fremd, als würden hier zwei verschiedene Filme kollidieren. Irgendwie nicht mehr so beeindruckend wie früher.

Searching for Sugar Man (GB/SE 2012, Malik Bendjelloul)

Wusste vorab so gut wie nichts, weswegen ich sehr mitgefiebert habe. Und am Ende dann auch ein bisschen geweint. Toll und schön und wunderbar.

Marnie (US 1964, Alfred Hitchcock)

The misogyny is strong with this one. Aber Hitchcock geht natürlich immer – und gegen die erzählerischen Längen, für die der Film allerorts gerügt wird, würde ich ihn auch jederzeit verteidigen.

Batman Returns (GB/US 1992, Tim Burton)

„His parents… I hope he finds them.“ Burtons Ästhetik reicht hier von exzentrisch bis expressionistisch. Der Film begreift seine Hauptfigur durch ihre Widersacher, denen er gleichsam überlegt und liebevoll begegnet. Unvergessen bleibt der Moment, in dem das Licht des Bat-Signals in die dunklen Gänge von Wayne Manor und auf den in einem Sessel zusammengesackten Bruce Wayne fällt; wahrscheinlich die klügste Szene, die je für einen Batman-Film gedreht wurde. Michael Keaton forever.

The Girl with All the Gifts (US/GB 2016, Colm McCarthy)

Macht den in das Genre der Untoten eingefassten Post-Humanismus zum Kern der Geschichte, was trotz eines sehr überhasteten dritten Akts gut funktioniert. Außerdem bekommt die großartige Glenn Close richtig was zu tun.

The Fly (US 1986, David Cronenberg)

Was Cronenberg hier mit dem menschlichen Körper anstellt, ist gleich auf mehreren Ebenen absolut fantastisch. Der tiefschwarz eingefärbte Humanismus, der sich wie eine Ader vergifteten Bluts durch den Film und bis hinein in den von Howard Shores Musik getragenen Abspann hineinwindet, fördert am Ende neben Unmengen an eitrigem Gekröse eine Tragik zu Tage, die mich völlig unerwartet getroffen und überrumpelt hat. Man könnte sagen, dass ich diesen Film geliebt habe.

Okja (KR/US 2017, Joon-ho Bong)

Am Ende musste ich sehr bitterlich weinen, was den Film auf eine gewisse Weise für mich gerettet hat – mit der befremdlichen Erzählrythmik und dem schrillen Staraufgebot habe ich mich bis dahin nämlich schwer getan.

Tinker Tailor Soldier Spy (GB 2011, Tomas Alfredson)

Still und hochkonzentriert zieht Tomas Alfredson seine fleischgewordenen Schachfiguren ihren tragischen Schicksalen entgegen; das Spielbrett eher ein Schlachtfeld, auf dem die Farben Schwarz und Weiß schon lange keine Rolle mehr spielen. Jede Einstellung, jeder Blick und jede noch so kleine Regung in den Gesichtern erzählt so unglaublich viel. Eines der großen Meisterwerke des 21. Jahrhunderts.

Anaconda (US 1997, Luis Llosa)

Die Anaconda-Effekte, abwechselnd handgemacht und computergeneriert, sind so fantastisch gealtert, man glaubt es kaum. Jon Voight liefert eine der glorreichsten B-Movie-Performances aller Zeiten und Ice Cube nennt die Schlange am Ende „Bitch“. Ich möchte mir gar nicht eingestehen, wie viel Spaß ich mit diesem Film hatte.

The New World (US 2005, Terrence Malick)

James Horners für den Film komponierte (aber im Film kaum eingesetzte) Musik gehört womöglich zu dem Schönsten, was je fürs Kino komponiert wurde. Wäre sie vorhanden, hätte ich hiermit wahrscheinlich einen potentiellen Lieblingsfilm gesehen. Aber auch zu den Klängen der Rheingold-Ouvertüre ist Terrence Malicks Auslegung der Pocahontas-Geschichte ein nahezu transzendentales Erlebnis, das zugleich epochal und doch höchstmöglich intim ist. Extended Cut

Retrospektive: Planet der Affen

Planet of the Apes (US 1968, Franklin J. Schaffner)

Darin, wie der Film seine Science-Fiction-Parabel nutzt, um uns etwas über Menschen und Menschlichkeit zu erzählen, hat er mich sehr an die paar Folgen Star Trek: TOS erinnert, die ich vor kurzem erstmalig geschaut habe. Mittlerweile ist größte Attraktion dieser Reihe ein Affe, der auf einem Pferd reitet und mit zwei Maschinengewehren um sich schießt. In diesem Film ist es eine Diskussion in einem Gerichtssaal. Charlton Heston ist unerträglich, aber ich vermute, dass das so sein sollte.

Beneath the Planet of the Apes (US 1970, Ted Post)

Nicht nur eine der seltsamsten Fortsetzungen, sondern vermutlich einer der seltsamsten Filme, die ich je gesehen habe. Die erste Hälfte ist ein langweiliges Quasi-Remake des Vorgängers, die zweite eine völlig verrückt-freidrehende Vertrashung der sowieso schon sehr trashigen Welt der Apes-Filme. Als der Abspann losging, schrie ich laut „WAS?!“ quer durchs Wohnzimmer.

Escape from the Planet of the Apes (US 1971, Don Taylor)

Der zweitbeste Teil der Reihe, weil er das nihilistsche Ende des Vorgängers schlau umgeht und in der ersten Hälfte mit viel Fish-out-of-the-Water-Humor erfreut. Die größte Stärke des Films (aller Apes-Filme nebenbei gesagt) ist aber, wie konsequent er seine Geschichte weiter- bzw. zu Ende denkt. Außerdem die schönste Titeleinblendung der Reihe.

Conquest of the Planet of the Apes (US 1972, J. Lee Thompson)

Eigentlich bezeichnend, dass das Reboot nach dem missglückten Burton ausgerechnet bei diesem Film ansetzen würde, denn als erster der alten Apes-Teile ordnet er die schwierigen moralischen Fragen erstmalig großem Spektakel unter (das in der erweiterten Fassung überraschend blutrünstig ausfällt). Das knappe Budget merkt man, aber Roddy McDowall reißt mit seiner Darbietung von Caesar einiges heraus. Diese Schlussrede!

Battle for the Planet of the Apes (US 1973, J. Lee Thompson)

Führt das Erfolgskonzept der Filme dahingehend erfolgreich weiter, dass er nichts aufwärmt, sondern neue Konflikte und Situationen etabliert, deren moralischen Problemfragen er interessiert folgt, wenn nicht gerade geballert wird. Hat mir außerdem bewusst gemacht, wie angetan ich von dieser Reihe und ihrer Entwicklung bin, auch wenn mein Herz eher für das Gesamtpacket und weniger für einen der Filme speziell schlägt.

Planet of the Apes (US 2001, Tim Burton)

Unsagbar miese Verschandelung des Originals, die abgesehen von den beeindruckenden Masken- und Make-Up-Effekten so gut wie alles falsch macht. Mit großem Abstand der schlechteste Film, den Tim Burton je gedreht hat (sofern man ihm überhaupt irgendeine Form von Arbeitsleistung konzedieren möchte, so verloren filmt er hier an allem vorbei, was sowohl die Apes-Reihe als auch seine eigenen Werke ausmacht).

Komplette Werkschau: Michael Bay

Zum Monatsrückblick auf Moviebreak

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